MiniKrimi vom 19. Dezember

Eine falsche Perle

„Ella, du siehst fantastisch aus“. Monique tut nach außen hin begeistert, innerlich nagt die Eifersucht. Ihre „Freundin“ Ella war normalerweise notorisch gestresst, mit immer leicht zerzausten Haaren und dem gewissen Etwas, das ihre Kleidung unordentlich aussehen ließ, unabhängig davon, ob sie von Kenzo oder Prada war. Ein abgerissener Knopf, ein herunter getretener Saum, ein Fettfleck auf der Brust. Aber heute steht sie vor Monique und Babsi und strahlt vor Ruhe und Perfektion. Alles an ihr sitzt und passt. „Mädels“, ihr glaubt es nicht. Ich habe die perfekte Hilfe gefunden. Seitdem klappt bei uns einfach alles.“ Ella schlägt die Beine elegant übereinander und bestellt ein Glas Champagner. Für alle. „Ich geb ne Runde aus“, sagt sie und berichtet von ihrer neuen Perle. Sie ist zu gut, um echt zu sein, denkt Monique, und zur Eifersucht gesellt sich auch noch Neid. Dora putzt und bügelt, wäscht und kocht, räumt auf, kauft ein. Und ganz nebenbei hat sie noch den chaotischen Terminkalender von Mike, Elias Mann, auf Vordermann gebracht. „Ohne sie könnten wir gar nicht mehr leben“, lacht Ella. „Und wo ist Dora jetzt?“, fragt Monique. „Das ist das allerbeste,“ erklärt Ella. „Gestern Abend wurde Mike doch tatsächlich von der Polizei angehalten, als er schnell im Auto Zigaretten holen wollte. Als hätten die den siebten Sinn. Mike trinkt ja sonst nie etwas. Aber Dora hatte so einen tollen Punsch gemacht. Egal, jetzt fährt sie ihn ins Büro, als Sühne, sagt sie.“

„Hast du keine Angst, dass Dora mit Mike mehr als nur Auto fährt?“, fragt Monique, und ein hämisches Lächeln spielt um ihrer aufgespritzten Lippen. „Ach was, Dora ist mindestens so alt wie Mike, und außerdem ist sie fett und hässlich. Fast so wie seine Ex. Nein, da besteht keine Gefahr.“

Die Freundinnen schlürfen genüsslich den Champagner und schauen dabei den jungen Burschen hinterher , die vor dem Straßencafé auf und ab gehen. „So macht das Leben Spaß“, seufzt Ella.

Da klingelt ihr Handy. „Hallo?…. Ja…. Jaja, das ist mein Mann. Was? Oh mein Gott!“ Unter dem Make-up wird Ella kreidebleich. „Das war die Polizei“, sagt sie. „Mein Mann hatte einen Unfall. Er ist tot.“ „Und Dora?“ „Dora? Von der haben sie kein Wort gesagt.

Mühelos hat sie mit Mikes Kreditkarte einen Wagen bekommen, ihn am Flugplatz abgestellt und einen Last-Minute-Flieger auf die Bahamas gebucht. Seine Unterschrift kann sie immer noch täuschend echt nachahmen. Die schwarze Perücke und die Polster unter ihrer Kleidung hat sie in einem Schließfach hinterlegt und den Schlüssel in den Fluss geworfen. „Du hast gedacht, du könntest mich einfach so verlassen, nach zwanzig Jahren Ehe? Und dann mit so einer dummen Schlampe wie dieser Ella? Ich hab von dir gelernt, mein Lieber. Rache ist süß. Danke, dass du mir auch noch den Tresorcode im Keller gesagt hast, aus reiner Faulheit“, denkt Gina Dora McDaniel. Und trinkt einen kräftigen Schluck Whiskey auf den Tod ihres Ex-Mannes Mike, während ihr Flugzeug der Sonne entgegen schwebt.

VuvuSeelen

„Global brutal“ heißt der Titel eines Buches von Michael Chossudovsky. Entfesselter Welthandel, Armut und Kriege sind eine Facette der Globalisierung. Einer anderen begegne ich in der Münchner U-Bahn. Schwarz neben weiß neben braun sprechen oder radebrechen. Tippen auf die gleichen Microtasten, tragen gleiche Propfen in den Ohren, nur die Rhythmen, die mir auf die Nerven tropfen, sind verschieden. Weiterlesen