Heute Abend live im Stemmerhof….. und wannIhrwollt im Blog.

Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich darf den Reigen heute hier beginnen, damit Sie sich nachher noch erholen können und nicht in tiefer Depression nach Hause gehen. Nicht, dass Sie dann auf dumme Gedanken kommen. Also.

Sie kennen den Spruch: trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Deshalb würde ich heute Abend gerne meine eigene, also „unsere“ Statistik machen. Ihr Einverständnis vorausgesetzt….. ok?

Ich stelle Ihnen ein paar Fragen, und Sie antworten mit Handzeichen, alles klar?

  • Wer von Ihnen kennt Edward Snowden? Also nicht persönlich….
  • Wer von Ihnen weiß, wie der neue amerikanische Präsident heißt?
  • Wer von Ihnen findet ihn gut?
  • Wer von Ihnen glaubt, dass innere Sicherheit wichtig ist?
  • Wer von Ihnen glaubt, dass innere Sicherheit das ist, was uns Bürgerinnen und Bürger schützt?
  • Wer von Ihnen ist der Meinung, dass der Staat als oberstes Interesse den Schutz seiner Bürgerinnen und Bürger hat?
  • Und schließlich:wer von Ihnen glaubt, dass die „innere Sicherheit“ im Zweifelsfall mehr wiegt als die Rechte des Einzelnen?

 Freedom is the right to act. Freiheit bedeutet das Recht, selbst zu handeln.

Das hat Edward Snowden auf einer Videokonferenz letzten Sonntag gesagt. Vor rund 600 Teilnehmern in der Münchner Muffathalle. Ich war dabei. Ich habe gehört, wie er Beweise vorgelegt hat dafür, dass Martin Luther King zwei Tage nach seiner Rede von seinem Traum (I have a dream) von der amerikanischen Regierung als Staatsfeind Nummer eins eingestuft worden ist. Vor schwarzem Hintergrund in einem unbestimmten Raum irgendwo in Russland sagte der Whistleblower mit einschlägiger beruflicher Geheimdiensterfahrung, dass Innere Sicherheit nie die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eines Landes bedeutet, sondern immer die Erhaltung der aktuellen Machtstrukturen…….

Snowden ist übrigens nicht begnadigt worden, im Gegensatz zu Herrn oder Frau Manning. Ich frage mich, ob Snowden sich nicht auch fragt, wie lange er noch überleben kann. In Russland und überhaupt. Jetzt, wo zwei ziemlich beste Freunde Anstalten machen, die Welt endgültig unter sich aufzuteilen….

Krieg ist in der Welt, und nicht nur in der ersten, sondern auch in der zweiten, dritten und vierten, bis heute gewinnbringender als Frieden. Wer die Macht hat, hat das Geld. 8 Leute besitzen mehr als die halbe Menschheit bzw. 3,6 Milliarden Menschen. Die materielle Ungleichheit wächst. Und gleichzeitig war Geld und Besitz noch nie so sexy. Die Medien erklären den Leuten in bunten Bildern, dass die Welt aus Konsum besteht und Konsum der Sinn des Lebens ist. Dass Wäsche weich sein muss und Kaffee süß, dass man jede Mode mitmachen muss und das auch kann, weil Kleidung ja so billig ist.

Geld regiert die Welt. Da ist längst kein blöder Spruch mehr, das ist die Wahrheit. Wer die Macht hat, braucht das Geld, um an der Macht zu bleiben. Und wer das Geld hat, braucht die Macht, um noch mehr Geld zu machen. Ich stelle mir vor, dass Wladimir Putin eines Morgens aufgewacht ist und zum Telefon gegriffen hat und einen amerikanischen Milliardär angerufen hat, mit einem unmoralischen aber unausschlagbaren Angebot. Ich mache dich zum nächsten Präsidenten, und dafür machst du mich zum mächtigsten Mann der Welt.

Tja, und da sind wir jetzt. Geld regiert die Welt. Die Politik, die Medien. Und uns. Geld zerstört die Welt. Die Umwelt, das Wasser, das Land, die Luft. Und uns. Und wir sitzen in unseren Stühlen vor unseren Computern, auf der Sitzlandschaft vor den  TV-Plasmabildschirmen und schauen zu. Klimawandel, Naturkatastrophen, Kriege und Hungersnöte – ist ja fast so spannend wie ein Blockbuster. Darauf noch ein Bier und eine Tüte Popcorn.

Vielleicht beschleicht den einen und die andere von uns das Gefühl, dass da irgend was nicht stimmen kann. Dass das nicht passieren dürfte, dass das nicht so weitergehen kann. Und dann bekommen wir Angst. Angst davor, dass all das Schreckliche aus den Bildschirmen herauswabern und bis zu uns dringen könnte. Wir haben ja erlebt, wie schnell das gehen kann, vorletztes Jahr, diese Flüchtlingsschwemme. Unglaublich. Beängstigend. Und wie haben wir reagiert, in Europa? Wir haben uns den Populisten angeschlossen, die geschrieben haben: Europa gehört uns. Raus mit den Konsumgefährdern. Dabei gehört uns Europa gar nicht. Mehr .Europa gehört dem Geld. Wie der Rest der Welt.

Wir haben keine Flüchtlingskrise, sagt Srecko Horvath, Mitbegründer von Diem25. Wir haben eine Kulturkrise, eine moralische Krise, vielleicht, Aber wenn der Meeresspiegel nur noch um ein paar Zentimeter steigt, wenn die Dürre in Afrika durch Landgrabbing und Fracking sich noch ein bisschen ausweitet, DANN werden wir erleben, was eine Flüchtlingskrise ist. Dann kippt die Wippe von Armut und Reichtum, von Wohlstand und Elend, und plötzlich fallen WIR hinten runter.

Also liegt es doch in unser aller Interesse, vorzubeugen. Einhalt zu gebieten. Aber ach. Die Sofalandschaft ist einfach zu bequem. Und die Medien, RTL und SAT1 und ja, auch ARD und ZDF, die würden uns schon sagen, wenn es soweit wäre, dass wir uns bewegen MÜSSTEN. Tun sie aber nicht.Also bleiben wir sitzen.

Bleiben wir? Einige ja. Aber immer mehr NEIN. Und das, liebes Publikum, ist der Grund, warum ich überhaupt hier stehe, heute Abend. Ich bin nämlich keine Kassandra, ich mag kein Unheil verkünden. Ich bin lösungsorientiert, das lernst du als Krimiautorin als allererstes. Und deshalb sage ich Euch;

Jeder Grashalm hat nur eine kleine Wurzel, aber zusammen bilden sie eine große Wiese.

Es gibt sie, die Bewegungen von Menschen, nicht nur junge, nein, auch alte, so wie wir…. Sie gehen auf die Straße, sie schließen sich zusammen, sie protestieren gegen das Zuviel an Konsum und Macht, sie stehen auf gegen die Politik – und gegen Populisten, die uns glauben machen, dass wir nur eifrig weiter konsumieren müssen, wachsen und exportieren, Waffen und Kriege und Güter, die keiner braucht, und die uns gleichzeitig eintrichtern, dass wir uns einschließen müssen in unser Glashaus aus Wohlstand. Ein Widerspruch, den sie nicht aufklären.

Viele Graswurzeln, überall, in Europa, Amerika, in Asien, in China, und sogar in Afrika. Ja, daraus kann ein Teppich werden. Und endlich hat Globalität einen Nutzen. Mögen sie uns ruhig überwachen, wir vernetzen uns, und sie bekommen das mit. Das macht den einen Angst. Und den anderen Mut.

Und das tut gut! Also ich handle lieber, solange ich noch die Freiheit dazu habe! Und Sie?

Auszug aus Arabien

„Der Krieg dauerte sieben Jahre, kostete 4400 US-Soldaten das Leben und den amerikanischen Steuerzahler eine Billion Dollar: Jetzt hat die US-Armee ihre Kampftruppen aus dem Irak abgezogen“ – so titelt der Stern heute zum Abzug der letzten US-amerikanischen Kampfeinheit aus dem Irak.

Drei Fragen stellen sich mir beim Lesen: 1. Ist es präzise, das, was da heute zu Ende geht, als „Krieg“ zu bezeichnen? 2. Wie hoch waren die Verluste auf Seiten der anderen Kampfbeteiligten? und schließlich: 3. Wenn jedem Ende ein neuer Anfang innewohnt: was beginnt ab heute? Im Irak? Oder auf den Kriegsschauplätzen, auf die sich die Auseinandersetzung verstärkt verlagern wird? Weiterlesen