SMS-Adventskrimi. 18.Dezember: Spießer contra Dealer

Es ist aber auch sowas von dunkel, heute. Paar Straßenlaternen machen ziemlich Schatten. Bei der Kälte geht niemand raus, am Abend. Die Leute sitzen vorm Samstagabend-Action-TV. Beste Zeit. Zwei Autos fahren in die kleine Seitenstraße. Neuer BMW, alter Mercedes. Idealer Platz.

Vier Typen steigen aus. Kapuzenköpfe mit Arschbaggys und Dockers dran. Gucken sich um. Gegenüber aufm Streetballplatz nur Schnee. Auf der andern Straßenseite Reihenhäuser. Spießerstraße. Alles bingo. Der mit der Baseballkappe schüttelt Ziggis aus der Schachtel. Einer bückt sich hinters Lenkrad, hebt den Kopf, guckt sich um. Die andern schlendern lässig ganz nah ran. Gemurmel. Sie tauschen Päckchen gegen Scheine. Schmeißen die Kipppen auf die Straße. Fahren weg.

Hinterm dunklen Spießerfenster greift sie nach dem Telefon. Pech gehabt, ihr Säcke.

Gassigassen

Von wolkenbetupft bis drohendgebauscht spannt sich das Abendzelt über die Gassigangwelt.

Aus bunten Augen schauen hinter müden Gläsern Leben auf die Straßen. So viele. So verschieden. Und so gleich in ihrer unendlichen Endlichkeit.

Zwei Männerarme unter einem Kinderpo vor der Kulisse blauroter Frotteetücher. Badewonnen oder früher Brauch?

Laue Stimmen tanzen um die runden Lichtdioden,  Gläser glocken Wein fließt über helles Außenholz.

An einer Hauswand lungern halbwüchsige Geranien grau dem Wegerich entgegen. Daneben strahlen Rosenköpfe im Zinnober einer zirkelgraden Hecke.

Jaguarcabrios dösen vor Natursteinmauern, morsche Zäune halten Löwenzahn und Buchs. Im Flackerschein des Freitagskrimis sehn sich alte Augen einer langen Nacht entgegen.

Und hinter irgend einem Vorhang knotet sicher schon der Tod am letzten Abendrot.

Dem Hunde ist dies einerlei. Er hebt sein Bein nach rechts wie links, bepinkelt frisch gestrichne und zerfallne Mauern. Und ist ein rechter Zukunftszufallsbote.