AdventsKalender MiniKrimi vom 18. Dezember

Weihnachtskerze bild 2

Das vierte Licht

Blog-Eintrag Samstag, 17. Dezember. „Liebe Online-Freundinnen und Freunde, mein Postulat ist fast vorüber. Wenn die vierte Kerze am Tannenkranz in unserer kleinen Kapelle entzündet wird, werde ich als vollwertiges Mitglied in diesen Orden aufgenommen. Ich freue mich sehr darauf, endlich aller Welt zu zeigen, wohin ich gehöre.

Ich verspreche Euch, ich werde diesen Blog auch nach dem Noviziat weiterführen. Eure vielen Zuschriften haben mir klar gemacht, wie wichtig es ist, mit den Menschen in der Sprache der Zeit zu sprechen und mit ihren Mitteln. Danke für Eure Anteilnahme und für Euer Interesse an meinem Leben. Danke auch für Eure Besuche. Aber eines muss ich Euch versichern: diejenigen unter Euch, die sagen, dass sie durch den Kontakt zu mir zum Glauben gefunden haben, irren sich. Es war Gott selbst, der sie geführt hat. Vielleicht hat Maria, unsere Patronin, Eure Hand genommen, vielleicht hat sie Euch durch mich angesprochen. Aber mir gebührt kein Dank! Soli Deo Gloria.

Schade, dass nicht alle Menschen, vor allem rund um unser Kloster hier im Brandenburger Land, meinen Blog lesen. Sonst hätte der freundliche, aber doch irgendwie unheimliche Mann, der immer auf mich wartet, sobald ich am Marktplatz aus der Straßenbahn steige, längst verstanden, dass er sich keine Hoffnungen zu machen braucht. Sicher hat meine zivile Kleidung ihn getäuscht. Ich habe ihn nie ermutigt, ihm nie ins Gesicht geschaut, und bis gestern nie auf seine Fragen geantwortet. Aber weil morgen der vierte Advent ist, habe ich mich gestern auf dem Weg über den Marktplatz zu ihm umgedreht und habe ihm gesagt: „Bitte folgen Sie mir nicht mehr. Ich bin schon vergeben. Übermorgen werde ich in der Klosterkapelle heiraten.“

Noch jetzt brennt sein Blick in meinem Augen. Fürchte dich nicht, hat Gott gesagt. Aber in diesem Moment hatte ich wirklich Angst.

Nun, meine Freundinnen und Freunde, lösche ich das Licht, mache den Computer aus und gehe zu Bett. Am Montag werdet Ihr mich auf einem Foto sehen, glücklich und in meinem neuen Habit mit dem geweihten Schleier  und meinem neuen Namen: Schwester Angelica. Gute Nacht. Eure Antonia.“

Blog-Eintrag Montag, 19. Dezember. „Guten Tag. Ich bin Hauptkommissarin Engel. Ich wähle diesen ungewöhnlichen Weg, weil ich Sie um Mithilfe bitte bei der Aufklärung des Mordes an Antonia Mittelhuber. Sie wurde in den Morgenstunden des 4. Advent in der Kapelle ihres Klosters ermordet, unmittelbar  vor Beginn des Festgottesdienstes, in dem sie ihr zeitliches Gelübde ablegen sollte. Auf der Leiche lag ein Zettel, auf dem stand „Bitch – außer mir kriegt dich keiner!“ Bitte wenden Sie sich für sachdienliche Hinweise an die Polizeidirektion Brandenburg Süd, Kommissariat A1. Abschließend noch ein Hinweis an den Mörder: in diesem Fall hatten Sie mir Ihrer Behauptung wohl Unrecht.“

 

 

 

 

 

 

 

AdventsKalender MiniKrimi vom 17. Dezember

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Saudumm.

Wie oft hatten sie es ihm gesagt? Morgens, mittags, abends – und zwischendurch, immer dann, wenn er wieder etwas falsch gemacht hatte, in dieser Welt, die nicht mehr seine war, von der er nicht wusste, wie er hineingeraten und noch weniger, wie er wieder herausfinden konnte. „Der linke Schuh kommt an den linken Fuß, nicht an den rechten.“ „Du musst die Hose runterziehen, BEVOR du dich aufs Klo setzt.“ „Erst abbeißen, dann kauen, dann schlucken. Schlucken, nicht SPUCKEN.“ „Ich habe wieder alles falsch gemacht, tut mir leid“, sagte er meistens schon, wenn er sah, wie sich die Zornesfalte auf der Pflegerstirn aufbaute. Obwohl er natürlich nicht wusste, wo der Fehler diesmal lag. „Mit meinem Kopf stimmt etwas nicht“, entschuldigte er sich. Und dann kam er, der Standardsatz. „Klar. Du bist eben dement.“ Und auch, wenn die Stationsärztin ihm jedesmal bei der Visite erklärte, dass es sich dabei um eine Krankheit handelte, sagten die Pflegerinnen und die Pfleger das doch so, als meinten sie: „du bist dumm. Saudumm.“

So fühlte er sich. Saudumm und absolut unnütz. Es gelang ihm nicht einmal mehr, den Salzstreuer auf dem Tisch zu finden, geschweige denn den Weg vom Speisesaal in sein Zimmer. Deshalb hatten sie ihm diese lächerliche Trillerpfeife um den Hals gehängt. So konnte er wenigstens auf sich aufmerksam machen, wenn er sich wieder verlaufen hatte.  Dabei hatte er früher alles gefunden – vor allem Mörder, Diebe und Tatmotive. Kein falsches Alibi war vor dem Kriminalkommissar sicher gewesen. Zum Glück erinnerte er sich nicht mehr an seine berufliche Vergangenheit.

Aber dann war plötzlich alles wieder da. Er stand im dunklen Flur und sah eine schwarz gekleidete Gestalt die Treppe hinauf schleichen. Unbemerkt – beinahe. Er hielt den Atem an und drückte sich in den Türrahmen. Braunländer. Auf dem Weg ins Zimmer von Dr. Wolf. Genau, wie er es vorhergesehen hatte. Der Mörder kehrt immer an den Ort des Verbrechens zurück. Vielleicht wollte Braunländer den Moment noch einmal auskosten, als er das Bündel Banknoten aus den Händen des toten Arztes nahm. Oder er wollte einfach sicher sein, dass er am Tatort nichts Kompromittierendes verloren hatte. Egal. Er war da, und für ihn war es nun an der Zeit, Verstärkung zu holen. Mit aller Kraft blies er in die Trillerpfeife.

Dann passierte alles gleichzeitig. Helles Licht flutete den Korridor. Die Stationsärztin öffnete die Zimmertür so abrupt, dass sie gegen den hoch erhobenen Arm des schwarzen Mannes stieß. Seine Waffe flog in hohem Bogen durch die Luft, der Pfleger Martin fing sie geschickt auf, während der Pfleger Florian sich auf den überrumpelten Eindringling warf.

„Und ich dachte, Sie sind dumm“, murmelte Schwester Sina bewundernd, während sie ihn am Arm nahm und in sein Zimmer begleitete.

„Egal, wen oder was Sie gesehen haben, Sie haben mir das Leben gerettet. Der Einbrecher war tatsächlich auf die Kasse aus, die der Geldtransport noch nicht geholt hatte“, sagte die Stationsärztin, als sie ihn ganz außer der Reihe besuchte. „Danke!“

 

AdventsKalender MiniKrimi vom 16. Dezember 2016

Heute ist die „Kacke am Dampfen“

Kein eigentliche MiniKrimi heute. Dafür gebe ich Euch einen Einblick in meinen ganz normalen kriminellen Pflegealltag…..nichts für Zartbesaitete, die können einen deftig-heftigen Mord wahrscheinlich besser vertragen.

Meine fast 92jährige demente Mutter hat der Infekt als letzte erwischt. Aber wenn es unterm Atem „brodelt“, steigt in der Familie die Angst vor einer Lungenentzündung. Und das vor Weihnachten! Also her mit den Antibiotika, sagt der Arzt. ER muss ja hier nicht Wache halten und die Nebenwirkungen beseitigen. Nach den ersten 1000mg wird der Atem deutlich leiser. Meiner nicht. Der geht immer schneller.

Denn in den letzten 4 Stunden habe ich 5 – ausgeschrieben FÜNF – mal megavolle Durchfallwindeln gewechselt. Eine alte Frau aus dem Bett in die Dusche geschleppt und gehoben, abgebraust, zurück ins – 3 mal frisch bezogene – Bett gepackt und daneben gewartet, bis das Laken wieder braun war.

Leute, die Frage, ob und wann und wie umfassend der nächste Shitstorm wird, ist dramatischer als jeder Thriller.

Deshalb hoffe, ich, dass ich morgen wieder einen kleinen feinen MiniKrimi schreiben kann. Und Ihr ihn lest, ohne die Nase rümpfen zu müssen. Gute Nacht….:!

 

 

AdventsKalender Mini“Krimi“ vom 15. Dezember

felicia

Tief unter dem Fell/ II.

„Es muss sein“, sagten sie. „Hier könnt ihr nicht bleiben. Hier will man euch nicht. Ihr fühlt Euch hier wie zu Hause, aber das ist keine Heimat für Euch. Ihr müsst gehen. Wir sind zu wenige, und ihr seid zu viele. Wir können Euch nicht auf Dauer beschützen.“ Eine Frau, eine Unbekannte, packte meine Sachen, legte mich in eine Tragetasche und nahm mich mit. Fort von der Finca und allem, was mir vertraut war. Die Reise war lang, erst auf der Straße und dann durch die Wolken mitten hinein in ein wattiges, dröhnendes Nichts. Meine Angst war sehr groß. Die Frau versuchte, mich zu beruhigen. Umsonst. Wir sind nicht dafür gemacht, den Himmel zu queren, ebenso wenig wie das Meer. Wir sollten auf dem Boden bleiben. In die Luft springen, schwimmen, das ja. Aber aus eigener Kraft oder nur, soweit die Schwerkraft es zulässt.

Und dann war es vorbei. Viele Menschen, hintereinander in schweigenden Reihen, gleißendes Licht. Der Herbstwolf war hier schon ganz weiß geworden. Sein Atem wuchs in Säulen aus dem Grau. Überall. Diese andere Welt hatte ganz offensichtlich keine Farben. Schließlich wurde die Tasche geöffnet, und ich war frei. Frei und sicher. Keine Fesseln mehr. Aber auch keine vertrauten Gesichter. Jeder Geruch neu und fremd. Meine Augen tränten von der langen Reise, ich hatte Hunger, war müde, verängstigt. Vor allem aber hatte ich meine Familie verloren. Meine Mutter und jetzt auch noch meine Schwester.

Ich bin im Juli geboren. Im Dezember kam ich in ein anderes Zuhause, zu einer fremden Familie. Ich bin daran gewöhnt, mich einzugewöhnen. Es geht mir gut. Ich bin satt, ich habe Spielsachen und genug Raum, um zu rennen und zu schlafen. Ich lasse mich streicheln, und ich gebe Zärtlichkeiten zurück, jeden Tag ein klein wenig mehr. Ich bin eine Katze unter Hunden. Ich bin noch klein. Wenn ich groß bin, werde ich mich wie ein Hund benehmen, weil ich unter Hunden aufwachse. Aber tief unter dem weißen Fell, auf der inneren Seite meiner Haut, bleibe ich eine Katze.

Menschen in den reichen Ländern Europas nehmen Tiere auf, die aus dem Ausland Zuflucht suchen, begleitet von Flugpaten und sehnsüchtig erwartet mit Futter, mit Decken, mit Spielzeug. Sie geben ihnen ein neues Zuhause und Sicherheit. Rund ein Million Tiere werden angeblich jährlich aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt und mühelos als das integriert, was sie sind: Geflüchtete Hunde und Katzen. Eine Obergrenze ist nicht angepeilt. Tierliebe ist gut, aber sie ersetzt keine Menschenliebe.

Refugees welcome! Auf vier, aber auch auf zwei Beinen.

AdventsKalender Mini“Krimi“ vom 14. Dezember

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Tief unter dem Fell / I.

Ich bin im Juli geboren. Wir hatten Glück. Als bei meiner Mutter die Wehen einsetzten und sie auf der Straße zusammenbrach, wurde sie von Ehrenamtlichen aufgenommen und betreut. An die ersten Tage meines Lebens kann ich mich nicht erinnern. Später, als ich anfing, mich umzuschauen, war die Welt um mich herum warm, bunt und laut. Ein Kaleidoskop sich bewegender Menschen und Tiere, von Geräuschen, Gerüchen und Düften. Schon morgens um sechs klapperten die Töpfe in der Küche, und dann gab es Essen für alle unter der Pergola im Garten. Lavendel, Jasmin und Majoran wehten mit der salzigen Brise vom Meer herüber, und unter den schattigen Palmen leuchteten rote Hibiskusblüten. Meine Schwester und ich hatten den ganzen Tag nichts weiter zu tun, als zu spielen und immer neue Streiche auszuhecken. Wir versteckten uns zwischen den frisch gewaschenen Laken und zerrten so lange daran, bis sie ins Gras glitten. Das fanden die Hunde besonders lustig, und sie stapften mit ihren sandigen Tatzen darauf herum, bis die Tücher aussahen aus wie große, zum Trocken ausgelegte abstrakte Gemälde. Nur den guten Leuten oben in der Finca gefiel unser spontanes Kunstwerk leider gar nicht.

Immer häufiger standen sie zusammen und besprachen sich leise. Dann schauten sie zu uns herüber, zu meiner Schwester und mir, und tuschelten weiter. Was sie sagten, verstanden wir nicht. Also taten wir so, als wäre alles wie immer. Das war in dem Paradies, in dem wir lebten, nicht schwer. Der blaue Himmel, die stillen Wolken, das flüsternde Meer, die Zikaden, die Sonne.

Und dann kam der Herbst. Leise wie ein Wolf hat er sich in unsere Welt geschlichen und sie eingehüllt in sein wolliges Grau. Sein kalter Atem verwehte die Weinblätter an der Pergola, die Vipern verschwanden zwischen den Steinen und die Leute frühstückten in der Küche, eingehüllt in die Düfte und Dämpfe von Suppe und Brot. Auch wir lagen dort in der rauchigen Wärme und dösten. Da nahmen die Leute meine Schwester und mich auf den Arm und trennten uns.

AdventsKalender MiniKrimi vom 13. Dezember

tritanopie

Das Blaue vom Himmel

 „Das ist ein todsicherer Job“, sagt er und lacht über den unfreiwilligen Wortwitz. „Du rempelst ihn auf der Straße an, um Punkt 19 Uhr,wenn er aus dem Fitness-Center kommt. Du hast einen Kaffee in der Hand und kippst ihm den auf seinen weißen Anorak. Den trägt er immer beim Sport. Du entschuldigst dich und lädst ihn auf einen Drink ein. Die Bar ist nur ein paar Meter entfernt. Egal. was er bestellt, du gibst ihm das GRAUE Glas, trinkst aus dem anderen und gehst. Vor der Tür steht ein Taxi, das bringt dich zum Zug. Du hast gerade genug Zeit, zu verschwinden, bevor er stirbt.“ Er schiebt ihr zwei fünfhundert Euro Scheine entgegen. Dreht sich um und verschwindet in der Menge.

Um 19 Uhr lehnt sie im Hauseingang gegenüber vom Fitness-Studio, einen Becher Kaffee in der Hand. Als er aus der Drehtür kommt, geht sie ihm in schnellen Schrittes entgegen und rempelt ihn an. Braun und dampfend rinnt der Kaffee von der schneeweißen Jacke. Nach einigem Zögern nimmt er die Entschuldigung an. Der Barkeeper stellt ihr die Drinks auf die Theke. Ein Glas ist leuchtend blau, das andere blassgrün. Sie hat keine Zeit, sie muss sich entscheiden und reicht ihm das blassgrüne Glas. Beide trinken. Sie schafft es nicht einmal mehr bis zur Tür. Da er glaubhaft versichern kann, sie nicht zu kennen und die Frau, die in der Stadt gänzlich unbekannt ist, in Belgien als Auftragskillerin gesucht wird, geht die Polizei von einem Selbstmord aus. Wer sollte auch darauf kommen, dass ihr Auftraggeber an Tritanopie litt?

AdventsKalender MiniKrimi vom 11. Dezember

Minolta DSC

TrashCrash auf der Brücke

Mitternacht. Die Brücke leuchtet gespenstisch im Scheinwerferlicht. „Scheiße, hoffentlich ist die Ampel an der Baustelle grün, sonst steh ich hier ewig.“ Nein, die Ampel ist nicht grün, sie ist aus. Aber das Schild am Straßenrand gibt ihm „Vorrang vor dem Gegenverkehr“. Mit 100 Sachen fährt der BMW-Fahrer weiter. Auf der anderen Seite der Brücke stoppt der Audifahrer kurz, aber die Ampel an der Baustelle ist abgeschaltet. Stattdessen gibt ihm ein Schild am Straßenrand „Vorrang vor dem Gegenverkehr“. Er fährt weiter. Gleichzeitig sehen beide gleißend helle Scheinwerfer auf sich zukommen. Vollbremsung, quietschende Reifen. In allerletzter Sekunde kommen beide Autos auf der Brückenmitte zum Stehen. Türen werden aufgerissen. „Sie Vollidiot“ „Sie Analphabet!“ „Wollten Sie mich umbringen?“ „Ich Sie? Sie mich!“ Wutentbrannt holt der BMW-Fahrer aus und stößt den Audifahrer vor die Brust. Der wehrt sich und schlägt ihm mit der flachen Hand die Brille von der Nase. Sie fliegt in hohem Bogen über das provisorische Brückengeländer. „Du Arschloch, Du…..“ Der BMW-Fahrer stürzt sich mit erhobenen Fäusten auf seinen Gegner. Die Männer sind gleich stark und durchtrainiert. Der Kampf tobt hin und her. Schließlich springt der Audifahrer auf das Dach des BMW und fängt an, wie wild darauf herum zu trampeln.Daraufhin holt der BMW-Fahrer den Wagenheber aus dem Kofferraum und zertrümmert die Windschutzscheibe des Audi. Glassplitter wirbeln wie Hagelkörner im Scheinwerferlicht. Der Audifahrer auf dem BMW-Dach nimmt kurz Anlauf, um dem Feind in den Nacken zu springen. Aber er verfehlt sein Ziel und kracht gegen das Brückengeländer – wir erinnern uns, es ist provisorisch. Er versucht noch, das Gleichgewicht wiederzugewinnen, aber der BMW-Fahrer ist schon zur Stelle, holt aus und befördert ihn mit einem kräftigen Fußtritt in die Tiefe. Leider hat auch er seine Kraft nicht genau bemessen. Der Schwung reißt ihn nach vorne, und kopfüber fällt auch er in den Fluss.

Am Ende der Brücke hört die schwarz gekleidete Gestalt zweimal kurz hintereinander ein Aufklatschen auf dem Wasser. „Sauber“, sagt er und räumt bedächtig die beiden „Vorrang vor dem Gegenverkehr“-Schilder in den Kofferraum seines VW-Busses. Am nächsten Tag berichten die Medien vom tragischen Unfall des Unternehmers K. und des Bankdirektors P. Beide waren unlängst schon mal in die Schlagzeilen geraten, der eine wegen skrupellosen Entlassungen und der andere, weil er den entlassenen Mitarbeitern Übergangskredite verwehrt hatte.

(Vielen Dank an Olga Maria Eggart für die Kooperation!)