Silvester

Gute Vorsätze? Geschenkt. Ich verlege mich an diesem Jahreswechsel mal auf’s Hoffen. Und Bitten……

 

stern-von-bethlehem-3Gedanken zum Ökumenischen Silvestersegen.

Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit. (Psalm 133,1.3)

Einträchtig beieinander wohnen – davon haben wir im heute zu Ende gehenden Jahr nicht allzu viel bemerkt, oder? In Syrien, im Nahen Osten, in vielen Ländern Afrikas herrschen Krieg und Verfolgung, nicht Eintracht. Und in Europa, in Deutschland? Allzu oft wird Zwietracht postuliert, und immer sind die anderen Schuld. Die zu vielen Ausländer. Die EU.

Ein neuer Geist? Viele alte Geister sind von uns gegangen, 2016, in der Politik – Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Hildegard Hamm-Brücher. In der Kunst – Schimanski, Manfred Krug, Umberto Eco, Dario Fo. In der Musik: Prince, David Bowie, Leonhard Cohen. Und dann die vielen nur uns selbst Bekannten.

Ein neuer Geist? Der Geist, der uns entgegenweht, politisch, macht vielen Angst, ist er doch von der Sorte, die wir, nachdem wir sie gerufen haben, nicht mehr los werden. Und welcher Geist im neuen Jahr aus Amerika auf uns zu „wehen“ wird….?

Wir können eh nichts machen. Wir können die Welt nicht verbessern. Wann ist „Weltverbesserer“ eigentlich zum Schimpfwort verkommen?

Ist es so? Wir alle, jeder von uns und überall, können die Welt um uns herum zwar eindeutig jedes Jahr, jeden Tag, jede Minute noch ein bisschen schlechter machen – negativ verändern, da von sind wir doch überzeugt, das erleben wir doch. Warum aber dann nicht auch besser?

Vielleicht können wir das wirklich nicht. Allein. Aber mit dem neuem Herz und dem neuen Geist, den Gott uns verspricht, können wir das schon. Jeden Tag. Morgens beim Aufstehen, auf dem Weg zur Arbeit, im Gespräch mit Kollegen, Freunden und Verwandten. Mit den Menschen, die uns begegnen. Wie ein warmer Atemhauch ein Fleckchen Schnee zum Schmelzen bringt, so kann unser warmes Herz, so kann unser neuer Geist die Welt verändern. Besser machen. Friedlicher. Wer, wenn nicht wir? Mit Gottes Hilfe!

Der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief: Habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

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AdventsKalender MiniKrimi vom 24. Dezember

Kein Krimi. Oder doch. Aber einer, in dem es um uns geht. Um uns und darum, wie wir leben wollen. Welchem Stern wir folgen.

Gedanken zur Christmette 2016 in der Magdalenenkirche in München-Moosach.

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Stern von Bethlehem. Weihnachtsstern. Die Suche nach diesem Licht, von dem z.B. im Matthäus-Evangelium berichtet wird, ist fast so alt wie das Christentum selbst. Schon im zweiten Jahrhundert versuchten die Christen herauszufinden, was damals am Himmel stand. Jahrhundertelang hielt man einen Kometen für den Wegweiser am Himmel. Heute glauben Astronomen, eine Kombination von Jupiter und Merkur sei für das intensive Strahlen verantwortlich gewesen.

Das würde auch erklären, warum der Stern vom Himmel – der ansonsten bis heute erstaunlich ähnlich aussieht – verschwunden ist.

Nicht verschwunden ist der Stern aus der christlichen Tradition. Geschichten, Gedichte, Gemälde, Lieder, Theaterstücke – der Stern ist zur Weihnachtszeit allgegenwärtig. Über jedem Weihnachtsmarkt prangt er, über jeder Krippe strahlt er.

Der Stern hat ein Schlaglicht auf die Welt geworfen, indem er die Armut und das Elend einer kleinen Familie an einer Futterkrippe hell erleuchtet und deutlich sichtbar gemacht hat. Gleichzeitig hat er mit seinem Schein den Weg aus unserer Not erhellt, diesen göttlichen Funken von Hoffnung am Horizont der Nacht.

Aber was ist, wenn am 6. Januar die Krippen eingepackt, wenn die Hütten auf den Märkten verschwunden, die Stücke gespielt, die Lieder verklungen, die Geschichten erzählt worden sind? Dann ist dieser Stern, genau wie sein astronomisches Vorbild, verglüht. Dabei war er doch wegweisend! Und jetzt?

Stellen wir uns mal folgendes vor:

Eine junge Frau steht in einem Block schwarz gekleideter Menschen und begleitet die Pegida-Demonstration auf dem Platz gegenüber mit lauten Buh-Rufen. Für sie ist es unerträglich, dass in ihrem Heimatland, das die Grundwerte von Demokratie und Christentum hochgehalten hat, plötzlich Populisten so viel Zustrom bekommen. Demagogen, die die Menschenwürde nicht achten, nicht die von Ausländern, nicht die von Familien, nicht die von sozial Schwachen. Die junge Frau ist dabei, ihren Glauben zu verlieren, mit dem sie aufgewachsen ist. Zuviel Dunkelheit um sie herum, und täglich breitet sie sich aus!

Ein Mann steht in der Bahnhofshalle. Er ist blind. Und allein. Er möchte einen Freund besuchen. Sein Betreuer in der Behindertenwerkstatt hat ihm dabei geholfen, das Ticket zu kaufen und auszudrucken. Eine Mitbewohnerin hat seinen Rucksack gepackt. Jetzt steht er da und weiß nicht, wo und wie er den Zug finden soll. Barrierefrei reisen – schön und gut! Aber auch, wenn eine Begleitperson kostenfrei mitfährt – zahlen müsste er diese Zeit trotzdem. Das Geld hat er nicht. Und so steht er da, Dunkelheit um ihn herum.

Eine Familie unterm Weihnachtsbaum. Um sie ein bunter Wall aus hastig aufgerissenem oder sorgfältig zusammengelegtem Geschenkpapier. Hinter ihnen auf dem Esstisch die Reste von Pute & Co. Die Danksagungen sind vorüber. Gabensatte Leere breitet sich aus. Man gähnt. „Früher war mehr Lametta“, sagt der Vater scherzhaft. Und die Mutter: „Dann geh doch zu Deinen Eltern“, und die Tochter: „Hier ist doch eh nichts mehr los, kann ich noch zu Natalie?“ Die Mutter trägt den Sohn ins Bett, der Vater löscht die elektrischen Kerzen am Baum. Sie gehen schlafen. Dunkelheit um sie herum.

Ein junger Pfleger sitzt im Bereitschaftszimmer im Altenheim. Keine Kinder, ledig – am Heiligen Abend trifft es immer ihn. Er ist nicht allein – 30 Bewohner auf der Station halten ihn ganz schön auf Trab. Aber er ist einsam. Er hat nicht genug Zeit, um Herrn Müller aufs Klo zu begleiten, also mach er ihn im Bett einfach „frisch“. Er hat keine Zeit, um Frau Bauer die Angst zu nehmen. Die Angst der Dementen vor allem, was sie umgibt. Er möchte gerne mehr für die Leute tun. Aber er kann nicht. Mehr. Also sitzt er da, raucht eine verbotene Zigarette und bläst den Rauch in die Dunkelheit, die ihn umgibt.

Und schließlich sind da die vielen, vielen Menschen, deren Welt finster ist und die in der trostlosen Dunkelheit von Krieg, von bitterem Hunger, von Angst vor Attentaten ausharren müssen. Auch diese Dunkelheit breitet sich unaufhaltsam aus – bis zu uns.

Und jetzt stellen wir uns vor, dass die junge Frau plötzlich am hinteren Ende des Platzes einen Stern auftauchen sieht. Von innen erleuchtet fährt er auf einem seltsamen Motorrad heran, an den verwunderten Polizisten vorbei, mitten hinein in die Pegida-Demo. Ein heller, leuchtender Punkt. Plötzlich sind alle für einen Moment still: der Redner, die Anhänger, die Gegendemonstranten. Und schauen gebannt auf den Stern.

Der Blinde am Bahnhof spürt das Leuchten, irgendwie, er hält sich hinten am Moped fest und geht so geführt den Bahnsteig entlang zu seinem Zug.

Die Tochter steht schon in der Tür, da ruft sie: „Mama, Papa, kommt mal schnell her. Wahnsinn, das gibt’s ja nicht!“ Der Bruder wacht auf, und zusammen staunen sie über den Stern, der ganz langsam und gemächlich an ihrem Haus vorbeituckert, auf einem klapprigen Motorrad. „Will jemand einen Tee?“, fragt die Mutter, denn es ist ganz schön kalt draußen. „Ich mach uns einen Chai, ok?“ sagt die Tochter. Und dann sitzen sie noch eine Stunde am Tisch und erzählen sich Geschichten darüber, was der vorüberfahrende Stern wohl alles erlebt.

Und der junge Pfleger? Als Frau Bauer ihn aufgeregt ruft: Ein Stern! Da fährt ein Stern über den Himmel“, denkt er, sie halluziere. Aber dann steht er eine ganze Weile neben ihr am Fenster, angstvergessen, und bestaunen das Himmelsgefährt.

Wäre das nicht schön? Ein Stern, der unvermittelt auftaucht und unsere Dunkelheiten vertreibt. Die kleinen, persönlichen, die größeren und die ganz großen, weltweiten. Aber –

Nein – hier gibt es kein Aber. Denn dieser Stern ist schon da. Er ist vor Jahrtausenden aufgetaucht, in der Nacht, in der Gott sein Licht in unserer Dunkelheit geboren hat.

Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt (So steht es bei Matthäus im 2. Kapitel) .

Der wahre Stern ist seitdem nie untergegangen, das Leuchten ist immer da. Es ist an uns, es zu suchen. Oder zu finden. Mal spüren wir seine Kraft in uns und merken, wie wir von innen heraus strahlen – das kennen Sie, ja? Wenn wir uns plötzlich so stark fühlen, dass wir Bäume ausreißen könnten – oder Mauern einreißen. Diese Energie lässt uns sprühen, und mit ihr werden wir zum Stern für andere. Und das Beste daran: diesen „Treibstoff“ gibt es ganz umsonst und unbegrenzt. Er ist nicht nur umwelt – er ist auch menschenfreundlich. Mit ihm brauchen wir nichts zu fürchten, oder anders, mit ihm können wir unseren Befürchtungen etwas entgegenhalten. Hoffnung. Glaube, Zuversicht und mehr: Gewissheit. Mit dieser göttlichen Energie können wir Veränderungen wagen, ohne von vorneherein resigniert abzuwinken. Dieser Stern leuchtet nicht nur zu Weihnachten, er leuchtet in und über der ganzen Welt. Über dem Leben und über dem Sterben.

Michael Sailstorfer, der Künstler, der diesen mobilen „Stern von Bethlehem“ geschaffen hat, hat sich in der Produktion und dann, auf den Ausstellungstouren durch die ganze Welt, immer wieder gefragt, wer wohl die Sterne lenkt, denen Menschen heute hinterherlaufen. Ich denke, es lohnt sich, genau hinzuschauen, ob das wirklich Sterne sind oder nur längst verglühte Materienklumpen.

Der wahre Stern von Bethlehem ist jedenfalls in der Christnacht für uns in die Krippe gelegt worden, um unsere Dunkelheit hell zu machen. Nehmen wir sein Licht in uns auf und, lassen wir es leuchten und tragen wir es weiter. In unsere Welt.

Amen.

AdventsKalender MiniKrimi vom 22. Dezember

Urban Legends

Der Freund eines Freundes hat mir heute folgendes von seinem besten Kumpel erzählt: als Student hat er immer relativ wenig Geld. Aber er hat eine Gute Quelle für ein lukratives Nebeneinkommen gefunden: Housesitting. Kurz vor Weihnachten wollten die Besitzer einer geräumigen Villa in Harlaching nochmal die südliche Sonne tanken. Während sie eine Wellnesswoche in Tobago verbrachten, passte der beste Kumpel des Freundes meines Freundes auf das Haus, den Pool, den Hund und das Kaninchen auf. Letzteres war allerdings nicht zu sehen. Der Kumpel und seine Freundin, die ihm das Haussitten freundlicherweise erleichterte und Himmelbett, Shwimmbad, Fitnessraum und Bar mit ihm teilte, nahmen an, dass es sich vor Fremden versteckte. Kaninchen sind ja scheue Tiere. Futter war noch reichlich im Käfig vorhanden. „Meinst Du, es ist krank, es scheint gar nichts zu fressen?“ fragte die Freundin. Aber dann schenkten sie sich noch einen Cuba Libre ein und vergaßen die Sache.

Am letzten Tag geschah es dann. Der Kumpel und seine Freundin stiegen grade aus dem Pool, als ihnen der Hund entgegenkam. Mit dem Kaninchen im Maul.  Für das  Tier kam jede Hilfe zu spät. Was tun? Natürlich hatten sie den Hund regelmäßig gefüttert. Aber darüber hinaus hatten sie sich mehr mit sich selbst als mit ihm beschäftigt. Das war jetzt offenbar seine Retourkutsche. „Wir kaufen einfach ein neues Kaninchen“, schlug der Kumpel vor. „Quatsch, die merken bestimmt, dass das nicht das gleiche ist,“ gab die Freundin zu bedenken. Was tun? Schließlich entschlossen sie sich dazu, das Kaninchen gründlich zu reinigen, das Fell sorgfältig zu fönen und den Kadaver zurück in den Käfig zu legen. Und auf Nachfrage ehrlich bestürzt zu erklären, am Morgen habe es noch mit Appetit gefressen.

Doch es kam ganz anders. Der Flieger hatte Verspätung, der Kumpel und seine Freundin hatten das Haus längst aufgeräumt und waren wieder in ihrer bescheidenen Studentenbude, als das Telefon klingelte. Sie sahen sich voll böser Vorahnungen an. Aber die Urlauber dankten einfach für die zuverlässige Betreuung von Haus und Hund. Und fragten dann:“Aber sagt mal, warum habt ihr das Kaninchen vom Komposthaufen geholt und so hergerichtet? Wolltet ihr es begraben? Wie süß!“

Das Tier sei eine halbe Stunde, bevor sie mit dem Taxi zum Flughafen fahren wollten, gestorben, erklärte der Besitzer. Buchstäblich in letzter Sekunde war ihnen die Idee gekommen, das Kaninchen provisorisch auf den Kompost zu legen. Bei der Kälte würde es bis zur Rückkehr schon nicht vermodern………

Auf italienisch würde man sagen: e se non è vero, è ben trovato……

AdventsKalender MiniKrimi vom 21. Dezember

Fragen nach Berlin

Als Krimiautorin stellen sich mir nach den Geschehnissen in Berlin ein paar Fragen, die ich gerne mit Euch erörtern möchte.

Vorausschicken möchte ich, dass das Mitgefühl mit den Opfern und den Familien an allererster Stelle steht und stehen muss. Unabhängig von den Hintergründen der Tragödie. Schrecklich finde ich, dass viele, die sich in der Öffentlichkeit äußern, Schlussfolgerungen als Forderungen plakatieren. Und das Mitgefühl hölzern als Randnotiz erscheint. Umgekehrt müsste es sein. Aber können Personen des öffentlichen Lebens überhaupt noch individualisiertes Mitgefühl äußern? Sogar der Bundespräsident klang nicht wirklich echt, oder?

Natürlich sind Pofis am Werk. Auf beiden Seiten. Aber angesichts der Informationen, die aus Polizeikreisen verlauten (und ist da nicht bemerkenswert, dass von AfD-Seite schon eine Stunde nach dem Geschehen ein Tunesier als Tatverdächtiger getwittert wurde?), frage ich als unbedarfte Krimiautorin schon,

  • warum ein Terrorist, der ein Attentat größeren Ausmaßes plant, darauf vertraut, zum Zeitpunkt seines Anschlags schon irgendwo die richtige „Tatwaffe“ , sprich LKW, zu finden… Was wenn nicht? Oder woher wusste der Attentäter, dass der Cousin des polnischen Spediteurs genau an diesem Ort parken würde?
  • warum ein Attentäter, der offensichtlich seinen Selbstmord nicht mitgeplant hat und so kaltblütig ist, zuerst einen Unschuldigen zu töten und neben sich sitzen zu lassen und dann einen großen LKW in eine Menschenmenge zu steuern, danach seine Papier als Visitenkarte liegen lässt, „obligingly“.
  • warum die Polizei „fieberhaft“ nach einem Mann sucht, der scheinbar schon bekannt war und beobachtet wurde und die Bevölkerung dringend um Mithilfe bittet – anhand eines Fotos, das Maghreb-Kennern wie ein Berber-Prototyp anmutet.
  • warum das Wort Attentat schon Minuten nach dem Geschehen gestreut wurde, mit subitan islamistischer Färbung, wobei das bis heute nicht erwiesen ist (nota bene, Attentate sind immer alle gleich schrecklich, aber die Eingrenzung lässt eine Kanalisierung der Ermittlungen befürchten)
  • und schließlich warum manche Insider-Infos durchsickern und wohin

Ich finde es schrecklich und ein Zeichen der Ohnmacht der Politik, wenn spasmodisch nach einer weiteren Verschärfung der Asylgesetze geschrien wird, während diese Gesetze ein solches Geschehen nachweislich nicht hätten verhindern können – denn untertauchen geht immer, vor allem, wenn man mit Attentatsabsicht eingereist ist und nicht, um Asyl zu erhalten. Wie viele Kriminelle tauchen unter, überall.

Unmenschlich verschärfte Asylgesetze vergrößern nur das Leid der Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten und Frieden suchen, nicht untertauchen, sondern ausharren und versuchen, sich hier ein Leben aufzubauen. Legal. Eine gründlichere Kontrolle der Geflüchteten bei der Einreise hat nichts mit der Asylgesetzgebung zu tun, sondern mit höherem bürokratischen und personellen Aufwand. Natürlich ist es einfacher, Gesetze auf dem Papier zu verschärfen als in der Praxis mehr geschultes Personal einzusetzen und die behördliche Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Aber genau DAS wäre nötig.

Ich habe ein paar Jahre in einer Asylbewerber-Unterkunft mit bis zu 400 Bewohnern gearbeitet. Meine Erfahrung: „echte“ Asylbewerber haben es oft schwerer, anerkannt zu werden und zu bleiben, als „falsche“. Organisationen, ob terroristisch oder kriminell, verfügen nämlich über gut geschmierte Netzwerke, um ihre Operateure einzuschleusen. Das gilt für den Drogenhandel wie für Diebesbanden, Triaden etc. Und Terroristen, natürlich.

Warum fragen so wenige in der Öffentlichkeit nach den Gründen, warum Terroristen überhaupt das Risiko eingehen, bei der Einreise als Asylsuchende registriert zu werden, wenn auch unter falschen Namen? Wenn sie viel leichter illegal und unbemerkt einreisen könnten?

Auf diese Weise wird eines der Grundprinzipien unserer Demokratie und unserer christlichen Kultur untermininiert: Menschen in Not Zuflucht zu gewähren. Die öffentliche Meinung wendet sich gegen diese Geflüchteten (für deren Fluchtursachen wir in den meisten Fällen direkt mitverantwortlich sind). Hass und Misstrauen sind die Folge: in den westlichen Zufluchtsländern und in den Herkunftsländern, wo die Abwehr der reichen Welt nicht verstanden wird.

Dagegen müssen wir angehen, indem wir darüber nachdenken. Im Radio hieß es, nach Berlin würden mehr Menschen Trost in den Kirchen suchen, in dieser Vorweihnachtszeit. Wunderbar! Dann hoffen wir, dass in diesen Kirchen nicht Menschen wie der Ex-Pfarrer sprechen, der gestern auf der AfD-Kundgebung vor der Gedächtniskirche gesprochen hat. Sondern echte Menschen-Freunde.

Abschließend noch ein Hinweis zu einer Veranstaltung heute Abend in München: Angst- sicher ned! Link folgt! Hingehen!

 

 

 

Was meint Ihr?

 

 

 

 

 

 

AdventsKalender MiniKrimi vom 20.Dezember

tiefimwald

Zucker im Kaffee

…und Zitrone oder Sahne in den Tee, und im Herzen alle Tage lang Amor….“ zwitschert die Dame in der roten Federboa auf der Bühne. Aus der Entfernung der Tische sieht sie wie ein Teenager aus, aber die Tanzenden haben sie längst als das identifiziert, was sie ist: eine von ihnen. Eine dritklassige D-Prominente, die sich mit viertklassigen Schlagerhits aus der Mottenkiste über Wasser hält.

Das Publikum im Musikzelt auf dem Alternativfestival (nennen wir die Dinge beim Namen: im Tief-im-Wald-Zelt auf Tollwood) entspricht ziemlich genau der demographischen Altersstruktur Deutschlands – und damit so gar nicht mehr dem Gründergeist des Festivals. Indes – der Geist ist mit den Gründern alt geworden, und die Besucher sind die Ewiggleichen. Seit 30 Jahren.

Aber während zwischen den Buden mit Öko-Schoko-Döner, handbemalten Pflanzenstielen und naturreinen Tattoo- und Piercinshops die Klientel entweder noch Rastalocken trägt oder zumindest ein paar Ohrstecker unter der die Glatze kaschierenden Berbermütze, während draußen also der Altenativbär tobt, haben sich im Tief-im-Wald-Zelt die Präsenioren Marke Büroangestellte (nichts gegen diese Spezies, der ich selbst eine Zeitlang angehört habe), Biertrinker und Solariumsonnenanbeter eingestellt. Wie und warum ist im Moment noch ungeklärt – aber sie kennen die passenden Tanzschritte zum Zucker. Hüftschwingend und rotwangig drehen sie ihre Kreise. Bis einer zu Boden sackt, gefällt vom Schlagersound, ganz offensichtlich.

„Haltet den Mörder, ich seh ihn, dort hinten!“ ruft die D-Sängerin. Und in weniger als zwei Minuten ist das Zelt von Polizisten umstellt (München eben), Beamte in Zivil halten die Besucher in Schach und ein Kommissar interviewt die Dame mit der roten Stola. Die passt genau auf, dass die Kamera des filmenden Privatsenders auf sie gerichtet ist, während sie dem Kommissar berichtet, wie der Mord sich zugetragen hat. Ein schwarzer Mann von hinten, eine Waffe mit Schalldämpfer – und schon war es um den armen Egon P. geschehen.

Es dauert nicht lange, bis der Gerichtsmediziner noch am „Tatort“ die wahre Todesursache herausfindet: Herzversagen wegen Überanstrengung.

Aber da haben Polizei, Sender und unzählige Besucher schon getwittert, dass sie, die rote Lola mit der Stola, verblichenes Schlagersternchen aus den 1970ern, einen Mord aufgedeckt hat. Das Dementi erreicht vergleichsweise wenige, und da hat Lola schon einen Plattenvertrag unterschrieben. Kaffeehausmusik. Das wird sicher ungefährlicher, denn bei solchen Liveauftritten gibt es keine Tanzfläche.

Bild wird nachgeliefert – Seniorin ist doch kein Eilentwickler….

AdventsKalender MiniKrimi vom 18. Dezember

Weihnachtskerze bild 2

Das vierte Licht

Blog-Eintrag Samstag, 17. Dezember. „Liebe Online-Freundinnen und Freunde, mein Postulat ist fast vorüber. Wenn die vierte Kerze am Tannenkranz in unserer kleinen Kapelle entzündet wird, werde ich als vollwertiges Mitglied in diesen Orden aufgenommen. Ich freue mich sehr darauf, endlich aller Welt zu zeigen, wohin ich gehöre.

Ich verspreche Euch, ich werde diesen Blog auch nach dem Noviziat weiterführen. Eure vielen Zuschriften haben mir klar gemacht, wie wichtig es ist, mit den Menschen in der Sprache der Zeit zu sprechen und mit ihren Mitteln. Danke für Eure Anteilnahme und für Euer Interesse an meinem Leben. Danke auch für Eure Besuche. Aber eines muss ich Euch versichern: diejenigen unter Euch, die sagen, dass sie durch den Kontakt zu mir zum Glauben gefunden haben, irren sich. Es war Gott selbst, der sie geführt hat. Vielleicht hat Maria, unsere Patronin, Eure Hand genommen, vielleicht hat sie Euch durch mich angesprochen. Aber mir gebührt kein Dank! Soli Deo Gloria.

Schade, dass nicht alle Menschen, vor allem rund um unser Kloster hier im Brandenburger Land, meinen Blog lesen. Sonst hätte der freundliche, aber doch irgendwie unheimliche Mann, der immer auf mich wartet, sobald ich am Marktplatz aus der Straßenbahn steige, längst verstanden, dass er sich keine Hoffnungen zu machen braucht. Sicher hat meine zivile Kleidung ihn getäuscht. Ich habe ihn nie ermutigt, ihm nie ins Gesicht geschaut, und bis gestern nie auf seine Fragen geantwortet. Aber weil morgen der vierte Advent ist, habe ich mich gestern auf dem Weg über den Marktplatz zu ihm umgedreht und habe ihm gesagt: „Bitte folgen Sie mir nicht mehr. Ich bin schon vergeben. Übermorgen werde ich in der Klosterkapelle heiraten.“

Noch jetzt brennt sein Blick in meinem Augen. Fürchte dich nicht, hat Gott gesagt. Aber in diesem Moment hatte ich wirklich Angst.

Nun, meine Freundinnen und Freunde, lösche ich das Licht, mache den Computer aus und gehe zu Bett. Am Montag werdet Ihr mich auf einem Foto sehen, glücklich und in meinem neuen Habit mit dem geweihten Schleier  und meinem neuen Namen: Schwester Angelica. Gute Nacht. Eure Antonia.“

Blog-Eintrag Montag, 19. Dezember. „Guten Tag. Ich bin Hauptkommissarin Engel. Ich wähle diesen ungewöhnlichen Weg, weil ich Sie um Mithilfe bitte bei der Aufklärung des Mordes an Antonia Mittelhuber. Sie wurde in den Morgenstunden des 4. Advent in der Kapelle ihres Klosters ermordet, unmittelbar  vor Beginn des Festgottesdienstes, in dem sie ihr zeitliches Gelübde ablegen sollte. Auf der Leiche lag ein Zettel, auf dem stand „Bitch – außer mir kriegt dich keiner!“ Bitte wenden Sie sich für sachdienliche Hinweise an die Polizeidirektion Brandenburg Süd, Kommissariat A1. Abschließend noch ein Hinweis an den Mörder: in diesem Fall hatten Sie mir Ihrer Behauptung wohl Unrecht.“

 

 

 

 

 

 

 

AdventsKalender MiniKrimi vom 17. Dezember

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Saudumm.

Wie oft hatten sie es ihm gesagt? Morgens, mittags, abends – und zwischendurch, immer dann, wenn er wieder etwas falsch gemacht hatte, in dieser Welt, die nicht mehr seine war, von der er nicht wusste, wie er hineingeraten und noch weniger, wie er wieder herausfinden konnte. „Der linke Schuh kommt an den linken Fuß, nicht an den rechten.“ „Du musst die Hose runterziehen, BEVOR du dich aufs Klo setzt.“ „Erst abbeißen, dann kauen, dann schlucken. Schlucken, nicht SPUCKEN.“ „Ich habe wieder alles falsch gemacht, tut mir leid“, sagte er meistens schon, wenn er sah, wie sich die Zornesfalte auf der Pflegerstirn aufbaute. Obwohl er natürlich nicht wusste, wo der Fehler diesmal lag. „Mit meinem Kopf stimmt etwas nicht“, entschuldigte er sich. Und dann kam er, der Standardsatz. „Klar. Du bist eben dement.“ Und auch, wenn die Stationsärztin ihm jedesmal bei der Visite erklärte, dass es sich dabei um eine Krankheit handelte, sagten die Pflegerinnen und die Pfleger das doch so, als meinten sie: „du bist dumm. Saudumm.“

So fühlte er sich. Saudumm und absolut unnütz. Es gelang ihm nicht einmal mehr, den Salzstreuer auf dem Tisch zu finden, geschweige denn den Weg vom Speisesaal in sein Zimmer. Deshalb hatten sie ihm diese lächerliche Trillerpfeife um den Hals gehängt. So konnte er wenigstens auf sich aufmerksam machen, wenn er sich wieder verlaufen hatte.  Dabei hatte er früher alles gefunden – vor allem Mörder, Diebe und Tatmotive. Kein falsches Alibi war vor dem Kriminalkommissar sicher gewesen. Zum Glück erinnerte er sich nicht mehr an seine berufliche Vergangenheit.

Aber dann war plötzlich alles wieder da. Er stand im dunklen Flur und sah eine schwarz gekleidete Gestalt die Treppe hinauf schleichen. Unbemerkt – beinahe. Er hielt den Atem an und drückte sich in den Türrahmen. Braunländer. Auf dem Weg ins Zimmer von Dr. Wolf. Genau, wie er es vorhergesehen hatte. Der Mörder kehrt immer an den Ort des Verbrechens zurück. Vielleicht wollte Braunländer den Moment noch einmal auskosten, als er das Bündel Banknoten aus den Händen des toten Arztes nahm. Oder er wollte einfach sicher sein, dass er am Tatort nichts Kompromittierendes verloren hatte. Egal. Er war da, und für ihn war es nun an der Zeit, Verstärkung zu holen. Mit aller Kraft blies er in die Trillerpfeife.

Dann passierte alles gleichzeitig. Helles Licht flutete den Korridor. Die Stationsärztin öffnete die Zimmertür so abrupt, dass sie gegen den hoch erhobenen Arm des schwarzen Mannes stieß. Seine Waffe flog in hohem Bogen durch die Luft, der Pfleger Martin fing sie geschickt auf, während der Pfleger Florian sich auf den überrumpelten Eindringling warf.

„Und ich dachte, Sie sind dumm“, murmelte Schwester Sina bewundernd, während sie ihn am Arm nahm und in sein Zimmer begleitete.

„Egal, wen oder was Sie gesehen haben, Sie haben mir das Leben gerettet. Der Einbrecher war tatsächlich auf die Kasse aus, die der Geldtransport noch nicht geholt hatte“, sagte die Stationsärztin, als sie ihn ganz außer der Reihe besuchte. „Danke!“