Ostern. Unfassbar?

Die Auferstehung ist für den menschlichen Geist unfassbar. Aber Ostern macht das Unmögliche wahr. Und ich meine nicht den sprechenden tanzenden Osterhasen, der während der Fastenzeit über die Bildschirme grünt, türkist und lilat. Es ist leicht, sich über das Leben zu freuen, wenn wir es in leuchtenden Farben genießen. Aber wie steht es um unsere  Frühlingsgefühle, wenn wir sie in Relation setzen zur Vergänglichkeit? Wenn um uns herum mitten im Aufblühen der Natur das Leben welkt?

Wenn uns angesichts eines fröhlich gedeckten Ostertisches die Galle hochkommt, weil über den Fernseher statt eines „Frohe Ostern“-Rufes aus Rom in X Sprachen Bilder von Giftgasopfern flimmern, von Mutterbomben, Mittelmeerleichen und dem Entstehen einer neuen Demokratur vor der europäischen Haustür?

Es fällt schwer, dem Osterruf der tatsächlichen Auferstehung keinen zynischen Klang zu geben. Im besten Fall werde ich belächelt von Mitmenschen, die mutmaßen, der Umgang mit einer Demenzkranken habe auf mein Urteilsvermögen auf ein spekulatives Maß reduziert.

Aber gerade zu Ostern sollten wir allen zurufen: hört auf, den Tod anzubeten! Kein Mensch wird als Mörder, Attentäter, Rassist geboren. Lasst die Osterbotschaft in Euer Herz. Wir sollten uns zurufen: Lasst uns aufhören, zu denken, dass wir zu wenige sind, um gehört zu werden. Unsere Liebe verändert die Welt. Denn der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Dazu gehört Mut. Mehr Mut jedenfalls, als im Garten bunte Plastikeier aufzuhängen und Kindern beizubringen, im Gras nach prall gefüllten Osternestern zu suchen. Jenseits der Frühlingsriten und Blütenmythen ist für Christen das Osterfest die Erfüllung dessen, was uns zu Weihnachten verheißen wurde. Nein, nicht das Iphone, das wegen eines Lieferengpasses – oder war es ein Kontotiefstand – nicht unterm Gabentisch lag. Die Gewissheit einer Hoffnung – dass nämlich der Himmel kein undurchdringlicher Horizont unserer irdischen Genüsse – und Leiden! – ist, sondern eine Welt, die ganz nah an der unseren ist, spürbar sogar, und zu der wir gelangen können. Nicht mehr und nicht weniger als die Aufhebung der Endlichkeit…..

…zumindest für uns Menschen. Das Iphone wird leider auf der Erde bleiben müssen. Und ich bin mir nicht sicher, ob angesichts dieser Trauerbotschaft nicht viele Menschen lieber auf den Himmel verzichten möchten…… Halleluja.

Heute Abend live im Stemmerhof….. und wannIhrwollt im Blog.

Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich darf den Reigen heute hier beginnen, damit Sie sich nachher noch erholen können und nicht in tiefer Depression nach Hause gehen. Nicht, dass Sie dann auf dumme Gedanken kommen. Also.

Sie kennen den Spruch: trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Deshalb würde ich heute Abend gerne meine eigene, also „unsere“ Statistik machen. Ihr Einverständnis vorausgesetzt….. ok?

Ich stelle Ihnen ein paar Fragen, und Sie antworten mit Handzeichen, alles klar?

  • Wer von Ihnen kennt Edward Snowden? Also nicht persönlich….
  • Wer von Ihnen weiß, wie der neue amerikanische Präsident heißt?
  • Wer von Ihnen findet ihn gut?
  • Wer von Ihnen glaubt, dass innere Sicherheit wichtig ist?
  • Wer von Ihnen glaubt, dass innere Sicherheit das ist, was uns Bürgerinnen und Bürger schützt?
  • Wer von Ihnen ist der Meinung, dass der Staat als oberstes Interesse den Schutz seiner Bürgerinnen und Bürger hat?
  • Und schließlich:wer von Ihnen glaubt, dass die „innere Sicherheit“ im Zweifelsfall mehr wiegt als die Rechte des Einzelnen?

 Freedom is the right to act. Freiheit bedeutet das Recht, selbst zu handeln.

Das hat Edward Snowden auf einer Videokonferenz letzten Sonntag gesagt. Vor rund 600 Teilnehmern in der Münchner Muffathalle. Ich war dabei. Ich habe gehört, wie er Beweise vorgelegt hat dafür, dass Martin Luther King zwei Tage nach seiner Rede von seinem Traum (I have a dream) von der amerikanischen Regierung als Staatsfeind Nummer eins eingestuft worden ist. Vor schwarzem Hintergrund in einem unbestimmten Raum irgendwo in Russland sagte der Whistleblower mit einschlägiger beruflicher Geheimdiensterfahrung, dass Innere Sicherheit nie die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eines Landes bedeutet, sondern immer die Erhaltung der aktuellen Machtstrukturen…….

Snowden ist übrigens nicht begnadigt worden, im Gegensatz zu Herrn oder Frau Manning. Ich frage mich, ob Snowden sich nicht auch fragt, wie lange er noch überleben kann. In Russland und überhaupt. Jetzt, wo zwei ziemlich beste Freunde Anstalten machen, die Welt endgültig unter sich aufzuteilen….

Krieg ist in der Welt, und nicht nur in der ersten, sondern auch in der zweiten, dritten und vierten, bis heute gewinnbringender als Frieden. Wer die Macht hat, hat das Geld. 8 Leute besitzen mehr als die halbe Menschheit bzw. 3,6 Milliarden Menschen. Die materielle Ungleichheit wächst. Und gleichzeitig war Geld und Besitz noch nie so sexy. Die Medien erklären den Leuten in bunten Bildern, dass die Welt aus Konsum besteht und Konsum der Sinn des Lebens ist. Dass Wäsche weich sein muss und Kaffee süß, dass man jede Mode mitmachen muss und das auch kann, weil Kleidung ja so billig ist.

Geld regiert die Welt. Da ist längst kein blöder Spruch mehr, das ist die Wahrheit. Wer die Macht hat, braucht das Geld, um an der Macht zu bleiben. Und wer das Geld hat, braucht die Macht, um noch mehr Geld zu machen. Ich stelle mir vor, dass Wladimir Putin eines Morgens aufgewacht ist und zum Telefon gegriffen hat und einen amerikanischen Milliardär angerufen hat, mit einem unmoralischen aber unausschlagbaren Angebot. Ich mache dich zum nächsten Präsidenten, und dafür machst du mich zum mächtigsten Mann der Welt.

Tja, und da sind wir jetzt. Geld regiert die Welt. Die Politik, die Medien. Und uns. Geld zerstört die Welt. Die Umwelt, das Wasser, das Land, die Luft. Und uns. Und wir sitzen in unseren Stühlen vor unseren Computern, auf der Sitzlandschaft vor den  TV-Plasmabildschirmen und schauen zu. Klimawandel, Naturkatastrophen, Kriege und Hungersnöte – ist ja fast so spannend wie ein Blockbuster. Darauf noch ein Bier und eine Tüte Popcorn.

Vielleicht beschleicht den einen und die andere von uns das Gefühl, dass da irgend was nicht stimmen kann. Dass das nicht passieren dürfte, dass das nicht so weitergehen kann. Und dann bekommen wir Angst. Angst davor, dass all das Schreckliche aus den Bildschirmen herauswabern und bis zu uns dringen könnte. Wir haben ja erlebt, wie schnell das gehen kann, vorletztes Jahr, diese Flüchtlingsschwemme. Unglaublich. Beängstigend. Und wie haben wir reagiert, in Europa? Wir haben uns den Populisten angeschlossen, die geschrieben haben: Europa gehört uns. Raus mit den Konsumgefährdern. Dabei gehört uns Europa gar nicht. Mehr .Europa gehört dem Geld. Wie der Rest der Welt.

Wir haben keine Flüchtlingskrise, sagt Srecko Horvath, Mitbegründer von Diem25. Wir haben eine Kulturkrise, eine moralische Krise, vielleicht, Aber wenn der Meeresspiegel nur noch um ein paar Zentimeter steigt, wenn die Dürre in Afrika durch Landgrabbing und Fracking sich noch ein bisschen ausweitet, DANN werden wir erleben, was eine Flüchtlingskrise ist. Dann kippt die Wippe von Armut und Reichtum, von Wohlstand und Elend, und plötzlich fallen WIR hinten runter.

Also liegt es doch in unser aller Interesse, vorzubeugen. Einhalt zu gebieten. Aber ach. Die Sofalandschaft ist einfach zu bequem. Und die Medien, RTL und SAT1 und ja, auch ARD und ZDF, die würden uns schon sagen, wenn es soweit wäre, dass wir uns bewegen MÜSSTEN. Tun sie aber nicht.Also bleiben wir sitzen.

Bleiben wir? Einige ja. Aber immer mehr NEIN. Und das, liebes Publikum, ist der Grund, warum ich überhaupt hier stehe, heute Abend. Ich bin nämlich keine Kassandra, ich mag kein Unheil verkünden. Ich bin lösungsorientiert, das lernst du als Krimiautorin als allererstes. Und deshalb sage ich Euch;

Jeder Grashalm hat nur eine kleine Wurzel, aber zusammen bilden sie eine große Wiese.

Es gibt sie, die Bewegungen von Menschen, nicht nur junge, nein, auch alte, so wie wir…. Sie gehen auf die Straße, sie schließen sich zusammen, sie protestieren gegen das Zuviel an Konsum und Macht, sie stehen auf gegen die Politik – und gegen Populisten, die uns glauben machen, dass wir nur eifrig weiter konsumieren müssen, wachsen und exportieren, Waffen und Kriege und Güter, die keiner braucht, und die uns gleichzeitig eintrichtern, dass wir uns einschließen müssen in unser Glashaus aus Wohlstand. Ein Widerspruch, den sie nicht aufklären.

Viele Graswurzeln, überall, in Europa, Amerika, in Asien, in China, und sogar in Afrika. Ja, daraus kann ein Teppich werden. Und endlich hat Globalität einen Nutzen. Mögen sie uns ruhig überwachen, wir vernetzen uns, und sie bekommen das mit. Das macht den einen Angst. Und den anderen Mut.

Und das tut gut! Also ich handle lieber, solange ich noch die Freiheit dazu habe! Und Sie?

Silvester

Gute Vorsätze? Geschenkt. Ich verlege mich an diesem Jahreswechsel mal auf’s Hoffen. Und Bitten……

 

stern-von-bethlehem-3Gedanken zum Ökumenischen Silvestersegen.

Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der HERR den Segen und Leben bis in Ewigkeit. (Psalm 133,1.3)

Einträchtig beieinander wohnen – davon haben wir im heute zu Ende gehenden Jahr nicht allzu viel bemerkt, oder? In Syrien, im Nahen Osten, in vielen Ländern Afrikas herrschen Krieg und Verfolgung, nicht Eintracht. Und in Europa, in Deutschland? Allzu oft wird Zwietracht postuliert, und immer sind die anderen Schuld. Die zu vielen Ausländer. Die EU.

Ein neuer Geist? Viele alte Geister sind von uns gegangen, 2016, in der Politik – Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Hildegard Hamm-Brücher. In der Kunst – Schimanski, Manfred Krug, Umberto Eco, Dario Fo. In der Musik: Prince, David Bowie, Leonhard Cohen. Und dann die vielen nur uns selbst Bekannten.

Ein neuer Geist? Der Geist, der uns entgegenweht, politisch, macht vielen Angst, ist er doch von der Sorte, die wir, nachdem wir sie gerufen haben, nicht mehr los werden. Und welcher Geist im neuen Jahr aus Amerika auf uns zu „wehen“ wird….?

Wir können eh nichts machen. Wir können die Welt nicht verbessern. Wann ist „Weltverbesserer“ eigentlich zum Schimpfwort verkommen?

Ist es so? Wir alle, jeder von uns und überall, können die Welt um uns herum zwar eindeutig jedes Jahr, jeden Tag, jede Minute noch ein bisschen schlechter machen – negativ verändern, da von sind wir doch überzeugt, das erleben wir doch. Warum aber dann nicht auch besser?

Vielleicht können wir das wirklich nicht. Allein. Aber mit dem neuem Herz und dem neuen Geist, den Gott uns verspricht, können wir das schon. Jeden Tag. Morgens beim Aufstehen, auf dem Weg zur Arbeit, im Gespräch mit Kollegen, Freunden und Verwandten. Mit den Menschen, die uns begegnen. Wie ein warmer Atemhauch ein Fleckchen Schnee zum Schmelzen bringt, so kann unser warmes Herz, so kann unser neuer Geist die Welt verändern. Besser machen. Friedlicher. Wer, wenn nicht wir? Mit Gottes Hilfe!

Der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief: Habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

AdventsKalender MiniKrimi vom 22. Dezember

Urban Legends

Der Freund eines Freundes hat mir heute folgendes von seinem besten Kumpel erzählt: als Student hat er immer relativ wenig Geld. Aber er hat eine Gute Quelle für ein lukratives Nebeneinkommen gefunden: Housesitting. Kurz vor Weihnachten wollten die Besitzer einer geräumigen Villa in Harlaching nochmal die südliche Sonne tanken. Während sie eine Wellnesswoche in Tobago verbrachten, passte der beste Kumpel des Freundes meines Freundes auf das Haus, den Pool, den Hund und das Kaninchen auf. Letzteres war allerdings nicht zu sehen. Der Kumpel und seine Freundin, die ihm das Haussitten freundlicherweise erleichterte und Himmelbett, Shwimmbad, Fitnessraum und Bar mit ihm teilte, nahmen an, dass es sich vor Fremden versteckte. Kaninchen sind ja scheue Tiere. Futter war noch reichlich im Käfig vorhanden. „Meinst Du, es ist krank, es scheint gar nichts zu fressen?“ fragte die Freundin. Aber dann schenkten sie sich noch einen Cuba Libre ein und vergaßen die Sache.

Am letzten Tag geschah es dann. Der Kumpel und seine Freundin stiegen grade aus dem Pool, als ihnen der Hund entgegenkam. Mit dem Kaninchen im Maul.  Für das  Tier kam jede Hilfe zu spät. Was tun? Natürlich hatten sie den Hund regelmäßig gefüttert. Aber darüber hinaus hatten sie sich mehr mit sich selbst als mit ihm beschäftigt. Das war jetzt offenbar seine Retourkutsche. „Wir kaufen einfach ein neues Kaninchen“, schlug der Kumpel vor. „Quatsch, die merken bestimmt, dass das nicht das gleiche ist,“ gab die Freundin zu bedenken. Was tun? Schließlich entschlossen sie sich dazu, das Kaninchen gründlich zu reinigen, das Fell sorgfältig zu fönen und den Kadaver zurück in den Käfig zu legen. Und auf Nachfrage ehrlich bestürzt zu erklären, am Morgen habe es noch mit Appetit gefressen.

Doch es kam ganz anders. Der Flieger hatte Verspätung, der Kumpel und seine Freundin hatten das Haus längst aufgeräumt und waren wieder in ihrer bescheidenen Studentenbude, als das Telefon klingelte. Sie sahen sich voll böser Vorahnungen an. Aber die Urlauber dankten einfach für die zuverlässige Betreuung von Haus und Hund. Und fragten dann:“Aber sagt mal, warum habt ihr das Kaninchen vom Komposthaufen geholt und so hergerichtet? Wolltet ihr es begraben? Wie süß!“

Das Tier sei eine halbe Stunde, bevor sie mit dem Taxi zum Flughafen fahren wollten, gestorben, erklärte der Besitzer. Buchstäblich in letzter Sekunde war ihnen die Idee gekommen, das Kaninchen provisorisch auf den Kompost zu legen. Bei der Kälte würde es bis zur Rückkehr schon nicht vermodern………

Auf italienisch würde man sagen: e se non è vero, è ben trovato……

AdventsKalender MiniKrimi vom 21. Dezember

Fragen nach Berlin

Als Krimiautorin stellen sich mir nach den Geschehnissen in Berlin ein paar Fragen, die ich gerne mit Euch erörtern möchte.

Vorausschicken möchte ich, dass das Mitgefühl mit den Opfern und den Familien an allererster Stelle steht und stehen muss. Unabhängig von den Hintergründen der Tragödie. Schrecklich finde ich, dass viele, die sich in der Öffentlichkeit äußern, Schlussfolgerungen als Forderungen plakatieren. Und das Mitgefühl hölzern als Randnotiz erscheint. Umgekehrt müsste es sein. Aber können Personen des öffentlichen Lebens überhaupt noch individualisiertes Mitgefühl äußern? Sogar der Bundespräsident klang nicht wirklich echt, oder?

Natürlich sind Pofis am Werk. Auf beiden Seiten. Aber angesichts der Informationen, die aus Polizeikreisen verlauten (und ist da nicht bemerkenswert, dass von AfD-Seite schon eine Stunde nach dem Geschehen ein Tunesier als Tatverdächtiger getwittert wurde?), frage ich als unbedarfte Krimiautorin schon,

  • warum ein Terrorist, der ein Attentat größeren Ausmaßes plant, darauf vertraut, zum Zeitpunkt seines Anschlags schon irgendwo die richtige „Tatwaffe“ , sprich LKW, zu finden… Was wenn nicht? Oder woher wusste der Attentäter, dass der Cousin des polnischen Spediteurs genau an diesem Ort parken würde?
  • warum ein Attentäter, der offensichtlich seinen Selbstmord nicht mitgeplant hat und so kaltblütig ist, zuerst einen Unschuldigen zu töten und neben sich sitzen zu lassen und dann einen großen LKW in eine Menschenmenge zu steuern, danach seine Papier als Visitenkarte liegen lässt, „obligingly“.
  • warum die Polizei „fieberhaft“ nach einem Mann sucht, der scheinbar schon bekannt war und beobachtet wurde und die Bevölkerung dringend um Mithilfe bittet – anhand eines Fotos, das Maghreb-Kennern wie ein Berber-Prototyp anmutet.
  • warum das Wort Attentat schon Minuten nach dem Geschehen gestreut wurde, mit subitan islamistischer Färbung, wobei das bis heute nicht erwiesen ist (nota bene, Attentate sind immer alle gleich schrecklich, aber die Eingrenzung lässt eine Kanalisierung der Ermittlungen befürchten)
  • und schließlich warum manche Insider-Infos durchsickern und wohin

Ich finde es schrecklich und ein Zeichen der Ohnmacht der Politik, wenn spasmodisch nach einer weiteren Verschärfung der Asylgesetze geschrien wird, während diese Gesetze ein solches Geschehen nachweislich nicht hätten verhindern können – denn untertauchen geht immer, vor allem, wenn man mit Attentatsabsicht eingereist ist und nicht, um Asyl zu erhalten. Wie viele Kriminelle tauchen unter, überall.

Unmenschlich verschärfte Asylgesetze vergrößern nur das Leid der Menschen, die vor Krieg und Verfolgung flüchten und Frieden suchen, nicht untertauchen, sondern ausharren und versuchen, sich hier ein Leben aufzubauen. Legal. Eine gründlichere Kontrolle der Geflüchteten bei der Einreise hat nichts mit der Asylgesetzgebung zu tun, sondern mit höherem bürokratischen und personellen Aufwand. Natürlich ist es einfacher, Gesetze auf dem Papier zu verschärfen als in der Praxis mehr geschultes Personal einzusetzen und die behördliche Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Aber genau DAS wäre nötig.

Ich habe ein paar Jahre in einer Asylbewerber-Unterkunft mit bis zu 400 Bewohnern gearbeitet. Meine Erfahrung: „echte“ Asylbewerber haben es oft schwerer, anerkannt zu werden und zu bleiben, als „falsche“. Organisationen, ob terroristisch oder kriminell, verfügen nämlich über gut geschmierte Netzwerke, um ihre Operateure einzuschleusen. Das gilt für den Drogenhandel wie für Diebesbanden, Triaden etc. Und Terroristen, natürlich.

Warum fragen so wenige in der Öffentlichkeit nach den Gründen, warum Terroristen überhaupt das Risiko eingehen, bei der Einreise als Asylsuchende registriert zu werden, wenn auch unter falschen Namen? Wenn sie viel leichter illegal und unbemerkt einreisen könnten?

Auf diese Weise wird eines der Grundprinzipien unserer Demokratie und unserer christlichen Kultur untermininiert: Menschen in Not Zuflucht zu gewähren. Die öffentliche Meinung wendet sich gegen diese Geflüchteten (für deren Fluchtursachen wir in den meisten Fällen direkt mitverantwortlich sind). Hass und Misstrauen sind die Folge: in den westlichen Zufluchtsländern und in den Herkunftsländern, wo die Abwehr der reichen Welt nicht verstanden wird.

Dagegen müssen wir angehen, indem wir darüber nachdenken. Im Radio hieß es, nach Berlin würden mehr Menschen Trost in den Kirchen suchen, in dieser Vorweihnachtszeit. Wunderbar! Dann hoffen wir, dass in diesen Kirchen nicht Menschen wie der Ex-Pfarrer sprechen, der gestern auf der AfD-Kundgebung vor der Gedächtniskirche gesprochen hat. Sondern echte Menschen-Freunde.

Abschließend noch ein Hinweis zu einer Veranstaltung heute Abend in München: Angst- sicher ned! Link folgt! Hingehen!

 

 

 

Was meint Ihr?

 

 

 

 

 

 

AdventsKalender MiniKrimi vom 20.Dezember

tiefimwald

Zucker im Kaffee

…und Zitrone oder Sahne in den Tee, und im Herzen alle Tage lang Amor….“ zwitschert die Dame in der roten Federboa auf der Bühne. Aus der Entfernung der Tische sieht sie wie ein Teenager aus, aber die Tanzenden haben sie längst als das identifiziert, was sie ist: eine von ihnen. Eine dritklassige D-Prominente, die sich mit viertklassigen Schlagerhits aus der Mottenkiste über Wasser hält.

Das Publikum im Musikzelt auf dem Alternativfestival (nennen wir die Dinge beim Namen: im Tief-im-Wald-Zelt auf Tollwood) entspricht ziemlich genau der demographischen Altersstruktur Deutschlands – und damit so gar nicht mehr dem Gründergeist des Festivals. Indes – der Geist ist mit den Gründern alt geworden, und die Besucher sind die Ewiggleichen. Seit 30 Jahren.

Aber während zwischen den Buden mit Öko-Schoko-Döner, handbemalten Pflanzenstielen und naturreinen Tattoo- und Piercinshops die Klientel entweder noch Rastalocken trägt oder zumindest ein paar Ohrstecker unter der die Glatze kaschierenden Berbermütze, während draußen also der Altenativbär tobt, haben sich im Tief-im-Wald-Zelt die Präsenioren Marke Büroangestellte (nichts gegen diese Spezies, der ich selbst eine Zeitlang angehört habe), Biertrinker und Solariumsonnenanbeter eingestellt. Wie und warum ist im Moment noch ungeklärt – aber sie kennen die passenden Tanzschritte zum Zucker. Hüftschwingend und rotwangig drehen sie ihre Kreise. Bis einer zu Boden sackt, gefällt vom Schlagersound, ganz offensichtlich.

„Haltet den Mörder, ich seh ihn, dort hinten!“ ruft die D-Sängerin. Und in weniger als zwei Minuten ist das Zelt von Polizisten umstellt (München eben), Beamte in Zivil halten die Besucher in Schach und ein Kommissar interviewt die Dame mit der roten Stola. Die passt genau auf, dass die Kamera des filmenden Privatsenders auf sie gerichtet ist, während sie dem Kommissar berichtet, wie der Mord sich zugetragen hat. Ein schwarzer Mann von hinten, eine Waffe mit Schalldämpfer – und schon war es um den armen Egon P. geschehen.

Es dauert nicht lange, bis der Gerichtsmediziner noch am „Tatort“ die wahre Todesursache herausfindet: Herzversagen wegen Überanstrengung.

Aber da haben Polizei, Sender und unzählige Besucher schon getwittert, dass sie, die rote Lola mit der Stola, verblichenes Schlagersternchen aus den 1970ern, einen Mord aufgedeckt hat. Das Dementi erreicht vergleichsweise wenige, und da hat Lola schon einen Plattenvertrag unterschrieben. Kaffeehausmusik. Das wird sicher ungefährlicher, denn bei solchen Liveauftritten gibt es keine Tanzfläche.

Bild wird nachgeliefert – Seniorin ist doch kein Eilentwickler….

AdventsKalender MiniKrimi vom 18. Dezember

Weihnachtskerze bild 2

Das vierte Licht

Blog-Eintrag Samstag, 17. Dezember. „Liebe Online-Freundinnen und Freunde, mein Postulat ist fast vorüber. Wenn die vierte Kerze am Tannenkranz in unserer kleinen Kapelle entzündet wird, werde ich als vollwertiges Mitglied in diesen Orden aufgenommen. Ich freue mich sehr darauf, endlich aller Welt zu zeigen, wohin ich gehöre.

Ich verspreche Euch, ich werde diesen Blog auch nach dem Noviziat weiterführen. Eure vielen Zuschriften haben mir klar gemacht, wie wichtig es ist, mit den Menschen in der Sprache der Zeit zu sprechen und mit ihren Mitteln. Danke für Eure Anteilnahme und für Euer Interesse an meinem Leben. Danke auch für Eure Besuche. Aber eines muss ich Euch versichern: diejenigen unter Euch, die sagen, dass sie durch den Kontakt zu mir zum Glauben gefunden haben, irren sich. Es war Gott selbst, der sie geführt hat. Vielleicht hat Maria, unsere Patronin, Eure Hand genommen, vielleicht hat sie Euch durch mich angesprochen. Aber mir gebührt kein Dank! Soli Deo Gloria.

Schade, dass nicht alle Menschen, vor allem rund um unser Kloster hier im Brandenburger Land, meinen Blog lesen. Sonst hätte der freundliche, aber doch irgendwie unheimliche Mann, der immer auf mich wartet, sobald ich am Marktplatz aus der Straßenbahn steige, längst verstanden, dass er sich keine Hoffnungen zu machen braucht. Sicher hat meine zivile Kleidung ihn getäuscht. Ich habe ihn nie ermutigt, ihm nie ins Gesicht geschaut, und bis gestern nie auf seine Fragen geantwortet. Aber weil morgen der vierte Advent ist, habe ich mich gestern auf dem Weg über den Marktplatz zu ihm umgedreht und habe ihm gesagt: „Bitte folgen Sie mir nicht mehr. Ich bin schon vergeben. Übermorgen werde ich in der Klosterkapelle heiraten.“

Noch jetzt brennt sein Blick in meinem Augen. Fürchte dich nicht, hat Gott gesagt. Aber in diesem Moment hatte ich wirklich Angst.

Nun, meine Freundinnen und Freunde, lösche ich das Licht, mache den Computer aus und gehe zu Bett. Am Montag werdet Ihr mich auf einem Foto sehen, glücklich und in meinem neuen Habit mit dem geweihten Schleier  und meinem neuen Namen: Schwester Angelica. Gute Nacht. Eure Antonia.“

Blog-Eintrag Montag, 19. Dezember. „Guten Tag. Ich bin Hauptkommissarin Engel. Ich wähle diesen ungewöhnlichen Weg, weil ich Sie um Mithilfe bitte bei der Aufklärung des Mordes an Antonia Mittelhuber. Sie wurde in den Morgenstunden des 4. Advent in der Kapelle ihres Klosters ermordet, unmittelbar  vor Beginn des Festgottesdienstes, in dem sie ihr zeitliches Gelübde ablegen sollte. Auf der Leiche lag ein Zettel, auf dem stand „Bitch – außer mir kriegt dich keiner!“ Bitte wenden Sie sich für sachdienliche Hinweise an die Polizeidirektion Brandenburg Süd, Kommissariat A1. Abschließend noch ein Hinweis an den Mörder: in diesem Fall hatten Sie mir Ihrer Behauptung wohl Unrecht.“