Para? Para!

handicap

Ich bin nicht besonders nah am Wasser gebaut. Aber grade habe ich feuchte Augen, und das ist nicht der Allergie geschuldet! Ich sitze vor dem Fernseher, am hellichten Mittag, und bin live dabei bei der Eröffnung der Paralympics in PyeongChang. Der Klöppel der überdimensionalen Trommel in der Handprothese des Trommlers. Sportlerinnen und Sportler in Rollstühlen, mit Blindenstöcken, einer oder zwei Beinprothesen. Die jüngsten unter zwanzig, der älteste über sechzig. Und alle mit einem riesengroßen Lächeln im strahlenden Gesicht. Mexiko ist mit einem einzigen Sportler vertreten. Serbien auch, und etliche andere. Dann die „großen“ Mannschaften, Norwegen, Amerika, Schweden. Die Halle ausverkauft, die Freude überschäumend.

Para heißt auf spanisch „für“.  Und tatsächlich sind das Bilder für das eine Leben. Mit Handicap und ohne Unterschiede. Warum nur prägen diese Bilder nicht den Alltag? Warum ziehen Menschen mit Behinderung immer Blicke auf sich, offen und verstohlen? Warum ist es immer noch nicht selbstverständlich, als Mensch mit Handicap einfach in die Stadt zu fahren, in ein Café zu gehen, einen Laden, ein Theater?

Sport öffnet die Herzen, und tatsächlich sind die Zuschauerzahlen weltweit bei den Paralympics z.T. größer als bei Olympischen Spielen. Ich wünsche mir, dass dieser Funken überspringt und die Spiele überdauert. Denn Sport findet ganz offensichtlich Wege, die anderen verschlossen bleiben. In der großen Politik, zum Beispiel. Warum also nicht auch im Kleinen? Menschen mit Behinderung brauchen auch bei uns noch mehr. Unterstützung, Finanzierung, Verständnis, um so zu leben, wie es eigentlich selbstverständlich ist: mittendrin. Nicht nur bei Sportfesten, sondern im Alltag.

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