AdventsKalender MiniKrimi vom 22. Dezember

Urban Legends

Der Freund eines Freundes hat mir heute folgendes von seinem besten Kumpel erzählt: als Student hat er immer relativ wenig Geld. Aber er hat eine Gute Quelle für ein lukratives Nebeneinkommen gefunden: Housesitting. Kurz vor Weihnachten wollten die Besitzer einer geräumigen Villa in Harlaching nochmal die südliche Sonne tanken. Während sie eine Wellnesswoche in Tobago verbrachten, passte der beste Kumpel des Freundes meines Freundes auf das Haus, den Pool, den Hund und das Kaninchen auf. Letzteres war allerdings nicht zu sehen. Der Kumpel und seine Freundin, die ihm das Haussitten freundlicherweise erleichterte und Himmelbett, Shwimmbad, Fitnessraum und Bar mit ihm teilte, nahmen an, dass es sich vor Fremden versteckte. Kaninchen sind ja scheue Tiere. Futter war noch reichlich im Käfig vorhanden. „Meinst Du, es ist krank, es scheint gar nichts zu fressen?“ fragte die Freundin. Aber dann schenkten sie sich noch einen Cuba Libre ein und vergaßen die Sache.

Am letzten Tag geschah es dann. Der Kumpel und seine Freundin stiegen grade aus dem Pool, als ihnen der Hund entgegenkam. Mit dem Kaninchen im Maul.  Für das  Tier kam jede Hilfe zu spät. Was tun? Natürlich hatten sie den Hund regelmäßig gefüttert. Aber darüber hinaus hatten sie sich mehr mit sich selbst als mit ihm beschäftigt. Das war jetzt offenbar seine Retourkutsche. „Wir kaufen einfach ein neues Kaninchen“, schlug der Kumpel vor. „Quatsch, die merken bestimmt, dass das nicht das gleiche ist,“ gab die Freundin zu bedenken. Was tun? Schließlich entschlossen sie sich dazu, das Kaninchen gründlich zu reinigen, das Fell sorgfältig zu fönen und den Kadaver zurück in den Käfig zu legen. Und auf Nachfrage ehrlich bestürzt zu erklären, am Morgen habe es noch mit Appetit gefressen.

Doch es kam ganz anders. Der Flieger hatte Verspätung, der Kumpel und seine Freundin hatten das Haus längst aufgeräumt und waren wieder in ihrer bescheidenen Studentenbude, als das Telefon klingelte. Sie sahen sich voll böser Vorahnungen an. Aber die Urlauber dankten einfach für die zuverlässige Betreuung von Haus und Hund. Und fragten dann:“Aber sagt mal, warum habt ihr das Kaninchen vom Komposthaufen geholt und so hergerichtet? Wolltet ihr es begraben? Wie süß!“

Das Tier sei eine halbe Stunde, bevor sie mit dem Taxi zum Flughafen fahren wollten, gestorben, erklärte der Besitzer. Buchstäblich in letzter Sekunde war ihnen die Idee gekommen, das Kaninchen provisorisch auf den Kompost zu legen. Bei der Kälte würde es bis zur Rückkehr schon nicht vermodern………

Auf italienisch würde man sagen: e se non è vero, è ben trovato……

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