Adventskrimi vom 21. Dezember

Saubere Sache

„Wir machen Ihnen seriöses Angebot. Sie verdienen ab 4 Tausend bis 10 Tausend Euro in Monat. Für nur wenig Stunden Arbeit.“

Es stimmt nicht, dass nur Zuschauer von Nachmittags-Reality-Soaps in Privatsendern auf solche Emails reagieren. Gut, Hubert war vielleicht etwas vorsichtiger als der Durschnitts-RTLler, außerdem bevorzugte er Vox. Vor allem hatte Hubert eines: viele unerfüllte Wünsche. Und die kosteten einfach mehr, als er mit seinem Gehalt als Fliesenleger verdienen konnte. Selbst, wenn er etwas auf die „hohe Kante“ gelegt hätte, bildlich gesprochen – es hätte nie für all das gereicht, was sich Hubert als Grundlage eines gelungenen Lebens vorstellte. Ein Motorrad UND ein Sportwagen. Eine Markenuhr. UND viele richtig abgefahrene Tattoos. Und und und. Natürlich genug Kohle, um die Mädels am Wochenende einzuladen, mit Wodka, Cola und Koks. Und dann flachzulegen, am besten im Hotel.

Hubert schaute gerne amerikanische Fersehserien. Deshalb fand er die Email bereits beim zweiten Lesen gar nicht übel. Nach dem dritten Lesen klickte er auf „antworten“.

Eine Woche später waren die ersten tausend Euro auf seinem Konto. Er tat, was von ihm verlangt wurde, hob das Geld ab und steckte es in einem braunen Papierumschlag in einen toten Briefkasten. Abzüglich seiner Provision. Das war alles. Und sein Wochenende war geritzt.

Hubert war ein zuverlässiger Mitarbeiter. Die Geldbeträge, die er überwiesen bekam, wurden immer höher. Aber er war so verliebt in seine neue Patek Philippe, dass er die Blicke der Kassierin in seiner Bank nicht einmal registrierte. Zur Sicherheit eröffnete er mehrere Konten. Hubert war gerade aus seinem Porsche Targa gestiegen und hatte der langbusigen, blondbeinigen Tamara zum Abschied auf den Hintern geklapst, als er von zwei Herren im Trenchcoat begrüßt und in herzlicher Umarmung abgeführt wurde.

Beim Geldwäscheprozess konnte Hubert aufgrund seiner Einfältigkeit  glabhaft machen, dass er die Machenschaften seiner Auftraggeber nicht wirklich durchschaut hatte, und so blieb es bei einer Bewährungsstrafe. Die Auftraggeber wanderten allerdings für Jahre hinter Gitter. So konnte Hubert in aller Ruhe die letzten Überweisungssummen unter den Fliesen hervorholen. Nicht, dass ihm jemand etwas hätte nachweisen können. Das Geld war ja jetzt „sauber“.

 

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