Adventskalender MiniKrimi vom 16. Dezember

Hund/e

P

Beo, Arti – Fuß!

Seit der Strumpfhosenmörder aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, aus der Haftanstalt, heißt das heute, ist der Park schon vor Einbruch der Dunkelheit leer. Als ob die Hundebesitzer Angst hätten, dass der Mörder während der Haft seine Vorlieben geändert und seine Lust ab sofort auf Hunde projiziert haben könnte.

So ein ausgesprochener Blödsinn! Arlena Möbius lacht ihr kurzes, hartes Lachen. „Beo, Arti, hier“, ruft sie ihre beiden englischen Setter. Die Rassehunde gehorchen Arlena blind. Charakter und Erziehung garantieren ihr Verhalten. Immer.

Nur nicht heute. Nur nicht jetzt. „Beo, Arti!“ Keine Reaktion. Gerade waren die Hunde noch hinter ihr auf dem Kiesweg am Fuß des Hügels. Jetzt gähnt die Dämmerung von kahlen Ästen auf Arlena herab. „Beowulf, Artemis!“ Auch ihre kompletten Rufnamen locken die beiden Setter nicht aus ihrem Versteck.

In der Mitte des Hügels bewegt sich braunes Laub. Es raschelt. Ein Jaulen. Arlena fröstelt es in ihrem Burberry. Sie wickelt das Wolltuch fester um ihre Schultern.

Unwillkürlich muss sie an den Strumpfhosenmörder denken, und ein Angstschauer jagt ihren Rücken hinunter. Angst um ihre beiden Lieblinge.

„Beo? Artiiiiii!“ Jetzt ist sie sicher, dass sie zwischen den Bäumen oben am Hügel ein Schatten bewegt. Und noch einer! Arlena stampft mit dem Füßen, bläst in die Hundepfeife, schreit. Ohne Erfolg. Ihre beiden Lieblinge bleiben verschwunden. Sekundenlang sieht sie Beo vor sich, wie er auf dem Sofa liegt, langgestreckt, mit durchtrennter Kehle. Daneben Arti, zu einem regungslosen Bündel zusammengekauert, Schaum vor dem Mund und vergiftet.

„Beowulf, Artemis, hierher!“ Entschlossen stapft Arlena den Hügel hinauf, den Regenschirm wie ein Bajonett vor sich gestreckt. Sie wird den grausamen Hundemörder erlegen, diese Bestie, die es auf ihre Prinzen abgesehen hat.

Sie ist fast am Kamm der kleinen Erhbung angekommen. Vor ihr klafft ein Loch. Ringsum aufgeworfene Erde. Artis hellbrauner Kopf lugt zwischen den Blätterhaufen hervor. Er wirft ihr einen Blick zu, erschrocken. Dreht sich nach hinten um. Arlena erkennt Beos schwarze Locken, bevor er auf der anderen Seite des Abhangs verschwindet. Er zieht etwas hinter sich her.

Arlena nähert sich dem Loch, das ganz offensichtlich gerade erst gegraben wurde. Offenbar hat jemand auf dem Hügel etwas vergraben, und jetzt ist es ausgegraben worden. Von ihren Hunden. Arlena beugt sich vor. Schaut hinein. Die Hunde haben ganze Arbeit geleistet. Mehr als eine Hand, ein Arm und ein Bein sind von der Frauenleiche nicht mehr übrig. Am Rand der Grube klebt in Büscheln langes, blondes Haar.

Der Strumphosenmörder hat seine Vorlieben im Gefängnis wohl doch nicht geändert.

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