Frohe Ostern!

Pasqua 2015_2

„Der Herr ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Die Sonne schien durch die Fenster der Matthäuskirche, spiegelte sich im Lachen des Landesbischofs und in den Gesichtern sicherlich vieler Gottesdienstbesucher. Ich jedenfalls verspürte das Großartige dieses Ostergeschehens. Und ich bin meinem Sohn dankbar dafür, dass er darauf gedrungen hat, „zu Ostern eine prunkvolle Messe, einen feierlichen Gottesdienst“ zu besuchen. Jubelnde Stimmen lassen die Freude in mir, in dir vibrieren!

Während ich dies schreibe, wirbeln Schneeflocken vor meinem Fenster weiße Tupfen auf die Tannen. Und wenn schon. Mit „Osteraugen“ betrachtet, ist auch das Wetter in seiner vielseitigen Unberechenbarkeit Ausdruck dessen, was wir spüren und – Gott sei Dank – nicht mit Verstand aufzuwiegen brauchen. Das Leben blüht. Die Natur ersteht jeden Frühling neu. Warum sollten wir uns schwer tun, daran zu glauben, dass auch wir ein Teil von ihr sind? Und dass auch wir – Gott sei Dank – wieder aufgeweckt werden?

Bedford-Strohm hat in seiner Predigt eine Begegnung im Altenheim als „prägendes Osterereignis“ bezeichnet. Ich gehe mal davon aus, dass das nicht dem wirklich perfekt strukturierten Predigtaufbau angepasst war, und nehme Geschichte und Aussage als wahr an. Eine Demenzkranke habe im Verlauf seiner Gründonnerstagpredigt immer wieder „so nimm du meine Hände“ gesungen, gesummt, wie auch immer. Und damit, so Bedford-Strohm, den Kern von Ostern vorweggenommen. Und verstanden.

Meine Mutter hatte, aufgrund  der Nebenwirkung eines Schmerzmittels, die Osternacht in verwirrtem, aber leider sehr wachem Zustand verbracht und war demzufolge leider nicht pünktlich zum Ostergottesdienst ausgehfertig. Ich denke nicht, dass sie dem Sinn oder Hintergrund von Ostern noch verstandesmäßig folgen kann. Vielmehr sagt sie immer öfter, dass sie „das mit dem Tod von Menschen nicht gut geplant“ findet. Sie hat Angst, fürchte ich. Und: sie glaubt nicht an eine Auferstehung. Weil sie das intellektuelle Konstrukt des Glaubens nicht mehr halten kann, mental. Aber: was bleibt dann dem Menschen, wenn er sich, seiner Vernunft beraubt, dem Ende nähert? Ist der Wert des Glaubens an das Denken gekoppelt? Wobei doch genau dies das Totschlagargument der Agnostiker ist: dass man Gott mit Vernunft eben nicht greifen kann?

Ich wünsche mir für meine Mutter dieses „So nimm du meine Hände“-Erlebnis. Ich wünsche es mir für mich, die ich beständig versuche, den Vorhang zwischen Diesseits und Jenseits zu lüften, mit dem Herzen, zumindest. Mich der Tatsache der Endlichkeit menschlichen Fleisches zu nähern und gleichzeitig der Akzeptanz des Nichtwissens.

Aber das ist ein weiter Weg ohne Landmarken, geführt von Gewissheiten, die mit dem Verstand nicht zu deklinieren sind.

Draußen fliegen die Schneeflocken, in einer Welt, die meine ist – und doch von mehr als einer Scheibe, einer Mauer, einer Unendlichkeit getrennt.

Ostern wird es immer wieder. Mal mehr, mal weniger. Wäre die Erkenntnis ein Spiel, würde ich meinen Level halten. Und weitermachen, bei der nächsten Gelegenheit.

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