MiniKrimi vom 12. Dezember

Dieser Krimi ist entstanden als eine Gemeinschaftsproduktion von Olga Maria und mir buchstäblich in den allerletzten Minuten des Tages. 

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann

Freitag Mittag. Max steht an der Bushaltestelle und schaut zum Himmel. Drohende Wolken ballen sich zu dichten Gewitterboten zusammen. Auf der Landstraße fahren vereinzelt Autos vorbei. Ein Opel Corsa. Ein VW Golf. Max schaut ihnen nach und tritt von einem Bein aufs andere, verlegen und unschlüssig. Als sich ein dunkler Mercedes langsam der Bushaltestelle nähert, tritt Max einen Schritt vor, schaut kurz in das Innere, sieht einen Mann am Steuer und macht einen Rückzieher. Der Mercedes blinkt, fährt an den rechten Straßenrand und setzt vorsichtig die fünf Meter zurück. Jetzt hält er direkt neben Max und lässt die Scheibe auf der Beifahrerseite herunter. „Kann ich dich ein Stück mitnehmen?“, fragt eine dunkle Stimme. Max beißt sich auf die Unterlippe. Er schaut zum Horizont, dort, wo die Landstraße auf der Hügelkuppe den Himmel berührt. Ganz schwarz sieht er aus, wie der Mercedes. Dann spürt Max auch schon die ersten Regentropfen auf seinem Arm.

Er hebt die Schultasche vom Boden auf und nickt. „Na dann steig ein,“ sagt der Mann und öffnet die Beifahrertür. Sie fahren schweigend ins Gewitter hinein. Max schaut den Mann immer wieder verstohlen von der Seite an und ertappt ihn jedes Mal dabei, wie er in sich hinein lächelt. „Wo wohnst du denn?“, fragt der Mann? „Wir sind gleich da. Vorne rechts abbiegen, bitte.“ „Der Mann biegt in den Feldweg ein. Der Mercedes holpert über dicke Steine und tiefe Furchen. „Sind wir hier richtig?“, fragt der Mann. „Ja, wir wohnen hinten am Waldrand. Wenn Sie Angst um Ihr Auto haben, kann ich auch schon hier aussteigen“. Inzwischen fällt der Regen in dicken Tropfen auf die Windschutzscheibe. „Nein, nein“, antwortet der Mann schnell und gibt etwas Gas. „Da vorne, das Haus. Wenn Sie in die Einfahrt fahren, können Sie gleich wenden.“

„Ok.“ Der Mann wirft Max einen langen, prüfenden Blick zu. Er macht den Motor aus. Max will die Beifahrertür öffnen, aber sie ist verschlossen. „Warte, da ist die Kindersicherung drin. Ich komm rüber und mach dir auf“. Er steigt aus und geht um den Wagen herum.

Jetzt steht er an der Tür und sieht Max durch die geschlossene Scheibe an. Er öffnet den Mund, als wolle er etwas sagen. Aber seine Worte gehen in einem lauten Donner unter. Die Augen weiten sich und seine Hände greifen an die Fensterschreibe, gleiten an ihr herunter. Der Mann geht in die Knie. Blut läuft ihm übers Gesicht. Der Schlag hat gesessen. Max rutscht auf den Fahrersitz und steigt aus. Deniz und Alex beugen sich über den leblosen Körper des Mannes. „Die Brieftasche steckt im Jacket“, sagt Max und fängt systematisch an, Uhr, Ringe und Manschettenknöpfe einzusammeln.

„Das hat sich gelohnt. 5 Riesen in bar. Und die Uhr ist bestimmt auch ganz schön was wert.“ „Und was machen wir mit dem Typen?“ „Den lassen wir liegen. Der sieht aus wie ein Kinderschänder, der seine gerechte Strafe gekriegt hat.“

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