MiniKrimi am 2. Dezember

Ich freue mich sehr, dass der MiniKrimi-Adventskalender in diesem Jahr von Kolleginnen und Kollegen mit gestaltet wird! Danke, liebe Autorinnen und Autoren, für das Vertrauen, mit dem Ihr mir Eure Krimis ans Herz gelegt habt!

Ich bin für die Inhalte der MinKrimis meiner Kolleginnen und Kollegen nicht verantwortlich. Auch dürfen diese nicht von dieser Seite kopiert und vervielfältigt werden.

Den heutigen Gast-MiniKrimi hat HL Ween geschrieben. Mehr von und über ihn gibt es hier: http://www.wolfganghiller-hlween.com/index.htm

Messerscharf –Nanokrimi von HL Ween (Wolfgang Hiller)

Papa ist lieb. Und er sieht ganz gut aus. Mindestens für sein Alter. Seit Mama ertrunken ist, bin ich ganz allein sein Liebling. Gehört sich auch so. Schließlich habe ich nachgeholfen, als ich sie sturztrunken in der Badewanne fand. Seitdem darf ich neben ihm schlafen. Das ist praktisch. Früher musste er in mein Zimmer schleichen, um mir was vorzulesen. Sagen Sie nicht, ich sei verdorben. Es war alles ganz harmlos. Oder glauben Sie an die Lolita-Falle?

Heute beim Frühstück wurde er plötzlich ganz ernst. „Weißt du, wie alt du bist?“

Dumme Frage! Zu meinem Dreizehnten waren doch erst vorgestern etliche Freundinnen gekommen. „Vierzehn!“, neckte ich ihn.

„Vierzehn, so, so. Dann kannst du Mama bald völlig ersetzen …“

Was er damit wohl meinte? Doch nicht etwa weitere Hausarbeit? Meiner Lieblingslehrerin erzählte ich gleich von Vaters Worten. Schmückte alles ein wenig aus. Schließlich habe ich null Bock auf Abwaschen. Frau Brunn hörte mir mit offenem Mund zu. Stotterte dann: „Du hast aber eine krude Fantasie!“

Von ihr kann ich keine Hilfe erwarten. Von anderen schon, wenn ich erzähle, was er mit mir hat machen wollen.

Da, ich höre Schritte. Ist er es? Papa? Keine Antwort. Instinktiv greife ich unter die Bettdecke, schließe die Augen und kratze mich, bis es blutet. Dann ist er auch schon neben mir.

„Ich liebe dich“, kreische ich. Immer und immer wieder, bis er meinen Mund zuhält. Darauf habe ich gewartet.

Als das große Fleischmesser in seinen Bauch fährt, weiß ich, dass ich frei sein werde. Ins Gefängnis muss ich ohnehin nicht, bin ja noch strafunmündig. Und aus dem Erziehungsheim bin ich nach einer Stunde draußen. Dafür sorgt schon Onkel Luitpold. Der ist viel reicher als Papa, sieht hübscher aus und wird die arme Vollwaise bestimmt ohne Ende verwöhnen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s