I dreamed that one had died.

Eichenhügel

Eine Frage an alle, die nicht blond sind und blauäugig, im Thomas Mann’schen Wortsinn: Ist das Leben nur zu ertragen, wenn wir uns seiner Endlichkeit entziehen? Aber das können wir ja nicht. Also trösten wir uns mit der zweitbesten Alternative und schalten die Bewusstseinsebene ab, die uns die Endlichkeit allgegenwärtig wahrnehmen lässt. Wodurch auch immer. Drogen. Alkohol. Sex. Abenteuer. Konsum. Alles ist recht, was uns eine Sublimierung unserer Begrenztheit vorgaukelt. Eine Atempause im Untergangsdenken verschafft, eine Ahnung der eigenen Ewigkeit, auch, wenn wir wissen, dass es nur eine Fata Morgana ist, geboren aus unserem Durst nach Wissen in der Wüste unzulänglicher Vermutungen. Der Ruhm berauscht wie die Verzweiflung, überhaupt alles, was unser Jetzt in den Mittelpunkt stellt und das Morgen in Nebel der Belanglosigkeit taucht. Und weil der Suchtfaktor exponentiell wächst, darf’s nicht nur, nein, es muss immer ein bisserl mehr sein, von allem. Zwei Urlaube, dann drei, vier, und immer weiter schneller höher, einen Garderobenschrank und dann ein Zimmer, oder noch ein Baby und wieder eines, weil sie ja so viel zu schnell wachsen und wir dadurch altern. Und schließlich, wenn uns die Partner ausgehen, viele Hotlinedates, weil Unbekanntes prickelt und nur Fremdes uns neu erscheinen lässt. Und natürlich Schampus Vodka Rotwein kistenweise. Koks by the line. So verschwimmen die Grenzen unserer eigenen Fehlbarkeit, und wir zelebrieren den Moment als Perpetuum mobile.

Aber wenn dann nichts mehr geht und wir noch durch den Nebel doch auf die andere Seite hinüber blinzeln, wenn Schattenarme nach uns greifen und die Stimmen im Kopf längst über unsere Lippen tropfen. Dann rufen wir den Fährmann eben selbst. Gute Reise, Robin.

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