Sweet Dreams

„Hallo,  Süße Maus. Wie alt bist du denn?“ „Acht.“ „Du bist wirklich total süß.“ „Danke.“ „Magst du mich?“ „Ja.“ „Magst du mir mal zeigen, wie du aussiehst?“ „Ja.“ Der Mann, nennen wir ihn der Einfachheit halber Manie, dreht sich zu seinen Freunden um. „Na, habe ich euch zuviel versprochen?“ Im Grunde sind die fünf Männer keine Freunde. Sie wissen nichts von einander, außer ihrer einen Gemeinsamkeit. Draußen, im Leben außerhalb dieses schalldichten Raumes, begegnen sie sich nie. Und vielleicht würden sie sich auch auf der Straße nicht wieder erkennen, unter normalen Bedingungen, wenn jeder seine Alltagsmaske trägt. Aber hier dürfen sie sein, wer sie wirklich sind. Hier erzählen sie von ihren Lieben und ihren Vorlieben. „Ist ja unglaublich, Manni“, sagt ein großer Mann mit Glatze, Spitzbauch und Brille. „Meinst du, sie redet auch mit uns?“ „Klar. Warte. Süße Maus, ich hab ein paar Freunde mitgebracht, die würden dich auch gerne sehen…“ „Ja.“ „Also, zeig dich mal.“ Die Männer stoßen verzückte Laute aus. Einer holt nur einfach tief Luft und greift sich in den Schritt. „Schau mal, ich mag dich sehr sehr gerne. Soll ich dir mal zeigen, wie sehr ich dich mag?“ Stille. Dann, leiser: „Ja.“ Manni nestelt an seiner Hose herum, Fred zieht nach. „Und jetzt du, Süße Maus. Wir wollen mehr von dir sehen. Komm, zieh dich mal aus, für uns, ja?“ Es ist heiß in dem kleinen Raum. Die Männer schwitzen. „Ja, mach ich. Aber sag mir erst, wie ihr alle heißt. Habt ihr Internetseiten und kann ich euch auch da mal besuchen?“ Wie süß, die Süße Maus. Sie ist echt interessiert an uns, denken die Männer. Und geben gerne Auskunft. „So, Süße Maus, und jetzt zieh dich aus!“ In diesem Moment wird der Bildschirm schwarz. Draußen laute Schritte, Rufe: „Polizei, machen Sie die Tür auf!“ Die Männer schauen sich an, hektisch. Sie denken nicht mal daran, die Hosen zuzumachen. „Aufmachen, oder wir  stürmen den Raum.“ Manni geht zur Tür. Ein ganzes SEK-Kommando nimmt sie in Empfang. „Was fällt Ihnen ein? Das wird Konsequenzen haben!“, zischt Fred. „Ich habe Kontakte.“ „Ja. dass wissen wir. So haben wir Sie ja orten können.“ Der Einsatzleiter hält ein Tablet in der Hand. Darauf sehen sie ihre „Süße Maus“. „Hallo“, sagt sie. „Ich bin nicht echt. Ich bin eine Animation, mit der in der ganzen Welt Männer wie ihr geködert werden, damit richtige Kinder sicher leben können.“

Inspiriert von einer Aktion von Terre des Hommes, die mit einem Computer-Model Tausende Pädophile in die Falle lockten. Allerdings nicht, wie in dieser Geschichte, unter Mitwirkung der Polizei.

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