Zug um Zug

„Ich will euer Käptn sein. Ich kann’s am besten!“ Der Junge wirft sich in Positur. Er ist der Schönste, keine Frage. Patrick hat Pickel, Denis ist pummelig, Niklas zu klein, Salva hinkt. Nur ganz leicht. Vier Augenpaare heften sich an den Boden, rauweiß steifes Gras auf krumenharter Erde. Dann, wie auf ein lautloses Kommando, schwenken sie zu Falk. Magnetenaugen halten sie in Bann. „Keine Frage, Ali, du bist ein guter Käptn“, flüstert Falk, die Stimme kratzt vor Pubertät und Kippen. Er dreht sich weg von allen, bohrt die Magnetenaugen in die Jungenrücken, hält die Hand wie einen Schirm an seine Stirn und blickt über den Bahndamm, auf den Spielplatz. „Da drüben sind die Prinzessinnen. Warten nur auf ihr wisst schon was. Los, geben wir’s ihnen.“ Die Kumpels bauen sich auf, verstecken ihre Verlegenheit hinter aufgepolsterten Schultern. „Yo, klar Mann, Falk.“ David macht einen Schritt. Falk reißt ihn am Jackenärmel nach hinten. „Bist du blöd, Mann? Der Käptn zuerst!“ Er hebt den Kopf, ganz kurz, und lauscht. Dann: „Ali, Käptn, Mann, dir gebührt die Ehre. Du darfst als erster. Los.“ Er schiebt Ali Richtung Bahndamm, zieht ihn auf die Gleise, gibt ihm einen Schubs. Und Ali läuft. Aber nicht schnell genug.

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