7. Dezember: Adam und Eva

Die Frau wohnt in einer renovierten Altbauwohnung gleich hinterm Wiener Platz. Als er den Schlüssel im Schloss hört, ruft ihr Mann ihr aus dem Schlafzimmer entgegen: „Eva, wo warst du so lange? Ich hab schon gedacht, die Polizei hätte dich erwischt!“ Eva stellt die Tüte mit den Äpfeln auf den Boden. Zieht sich die Outdoorjacke aus und die Schuhe. Schlüpft in bequeme Mokassins. Hebt die Tüte wieder auf und geht zu ihrem Mann. Jedes Mal durchzuckt sie ein Schmerz wie ein Stromschlag oder ein Eiszapfen, der ihr vom Rücken ins Herz getrieben wird, wenn sie ihn so liegen sieht. Blasse Wangen, eingefallen. Dünnes Haar klebrig auf der glänzenden Stirn, altersfleckenübersäht. Der Atem rasselt, raschelt und setzt aus. „Adam“, sagt sie. Er hebt die rechte Hand, klopft leise auf die Matratze. „Setz dich und erzähl.“ Von der Straße und dem Laden und dem schnellen Griff, der Flucht, dem freundlich nachdrücklichen Türken. Dann steht sie unvermittelt auf geht in den Flur kommt mit der grünen Plastiktüte wieder. Hält ihm einen Apfel hin.

„Ach, Eva, herrje. Naja, aller Anfang ist schwer, weißt du. Nächstes Mal klappt es sicher besser. Vielleicht solltest du gleich zu Käfer gehen? Aber dort solltest du dich besser nicht erwischen lassen. Das wirft uns sonst um Monate zurück. Und du weißt, soviel Zeit habe ich nicht mehr…..“

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