Pergamentich

Vor dem Fenster fingerblättert eine grüne Wand rote Spitzen auf mich, knusperdroht mir mit dem Entern meines Häuschens. Dicke Schalen glocken ohne Laut  im Wind . Herbstnüsse, wenn die Sonne sie nur eine Weile küsst.

Töne dringen aus den Tiefen stiller Räume an mein linkes Ohr. Tröstend greifbar, ich kann ihre Spur zurückverfolgen bis zu einem klaren Bild.

Wie die Nüsse säß ich gern in meiner festen Haut, sicher vor dem Reifeplatzen, grün geborgen.

Aber ich – pergamentblass offen lasse ich in mich hinein, was durch den Tag an Ängsten strömt, an Sorgen. Nöten. Autofahrer mit gefurchten Stirnen Frauen hinter Diagnosescreenings Väter Töchter Mütter, Arme voller Hoffnungssträuße vor den Kliniktoren. Liebeskummer Armutsfalten Todesahnungen und Lebensüberdruss. Das alles muss aus vollen Herzen in die Julihitze. Dort bin ich. Und spüre Wellen Wellen Wellen aus den übervollen Seelentöpfen quellen. Reißen mit mich um. Beinah. In mich hinein durch mich hindurch. Als wäre Pergament ich. Unsichtbare Tafel für die Stifte ihrer Not. Ist das Tintenschwarz aus ihrem Herz getropft, sind sie wohl heller? Und ich dunkler?

Gestern habe ich begonnen, mich zu wehren. Nicht mit Schlägen. Mit Gedanken. Eine Gegenwand aus Mut und Kraft, semipermeabel. Ausgeschickt ins volle Nichts. Zur Lösung einer Gleichung mit unendlich vielen Unbekannten. Jetzt ist es gut.

Ach ja – wenn du mir Freude denkst, heut abend, morgen früh – trink pergamentich gierig aus und sende – Doppelglück! zurück.

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