Adventskalender 2.0. 18. Dezember: Fluchtversuch!

Die letzten Tage sind mir wie im Flug vergangen. Über den Atlantik, mit Wellentälern und Schwindelkämmen. Windstärke hundert, mindestens. Mir war speiübel, meistens. Und meine Augen wogen Tonnen. Dahinter liefen die merkwürdigsten Filme ab. Da liefen Typen durch meine Wohnung. Alle in schwarz, sogar die Augen. Ich wollte hören, was sie sagten, aber meine Ohren waren wie mit Watte verstopft. Oder der Orkan brauste einfach zu stark. Immer wieder versuchte ich, einen von ihnen an der Hose zu zupfen, wenn er an mir vorbeikam. Aber meine Finger griffen ins Leere. Als sei ich auf dem Fliegenden Holländer, und die ganze Crew nur Gespenster. Dann plötzlich war alles blutrot. Das waren die Momente, vor denen ich mich am meisten fürchtete. Es regnete Rubine, sie rieselten auf mich herab, stachen und brannten. Ich war gefangen in diesem Traumhaus und wollte da raus! Einmal schrie ich so laut, dass mein Kopf davon hallte, als sei er ein leeres Kirchenschiff. Da fühlte ich eine kühle Hand auf meiner Stirn, für einen Moment kam meine Welt ins Lot und ich hörte Franck’s Stimme: „Komm, Engel, trink etwas. Du hast Fieber, aber ich bin bei dir, ich lass dich nicht allein.“ Dankbar nahm ich das Glas und dann auch seine Hand. Er ließ sie mir und seine Finger schlängelten sich wie Vipern an meinen entlang. Ich konnte ihn sehen. Müde und blass. Der Ärmste! Er kannte mich kaum und nahm diese Mühe auf sich!

„Danke. Für alles“. Hauchte ich, und dann schlug das Wattemeer wieder über mir zusammen. Kurz vor dem Untertauchen glaubte ich noch eine Gestalt zu sehen, die sich am Türrahmen entlangschob. Und Franck, der abwehrend die Hand hob. Ach, er konnte den Albtraum nicht aufhalten. Ich wimmerte leise und hörte mich selbst. Das bist doch nicht du, Gisa, flüsterte plötzlich die kleine Stimme. Wach auf, bleib an Land! „Schlaf, mein Engel,“ flüsterte Franck.  „Schlaf dich gesund!“ Nein, bleib da!, kam die kleine Stimme wieder. Und ich riss mühsam die Augen auf, starrte in mein Zimmer voller schwarzer Männer. „Gisa, du schläfst jetzt!“, befahl Franck und drückte mir beide Daumen auf die Lider. „Au!“ schrie ich erschrocken. Aber da war es schon dunkel, Samt schlug mich in seinen Bann. Wache ich noch einmal auf?

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