Ungebunden an die Zeit

Kindheitsmuster verschlungen bis die Seiten Eselsohren hatten und das dünne, schlechte Papier die zerlesenen Buchstaben nicht mehr halten konnte. Anders als „Licht über weißen Felsen“ und „Winnetou“, diesen in ihrem Gegensatz ähnlichen, pathetisch-ideologischen Indianer-Epen ohne Nähe zum Sujet, verwandelte sich „Kindheitsmuster“ nicht unter dem Kaleidoskop meines Erwachsenenblicks. Nachdenken über Christa T. Kassandra. Kein Ort. Nirgends. Ihre Art, die Welt zu sehen und ihre Fähigkeit, mir ihren Blick zu öffnen, habe ich bewundert und verehrt. Sie konnte als Frau schreiben, ohne sich die Feministin auf die Stirn zu heften. Für mich sperrte sie sich allen Schubladen. „Von einem bestimmten Zeitpunkt an, der nachträglich nicht mehr zu benennen ist, beginnt man, sich selbst historisch zu sehen; was heißt: eingebettet in, gebunden an seine Zeit …“. Das war sie, und allein deshalb gehören Lob und Kritik zu ihre wie die Tage ihres Lebens umhüllend nicht verwischend. Ich fand, sie stand. In sich und zu sich. Das ist mehr, als wir von vielen deutschen, ach was, von vielleicht den meisten „Literaten“ überhaupt sagen können….

Jetzt ist sie zeitlos ungebunden. Körperlich. Kassandra ruft aber weiter, und die Kindheitsmuster ziehen Kreise an den Horizonten unserer Lesewelten.

Ich trauere um Christa W.

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