Über das Alter durch den Tod

Als ich zwanzig war, stand ich mit einer Flasche Champagner an der Schlossmauer, stieß mein Glas in die Silversterglockenluft und sagte voller Stolz, ich sei wie eine Fackel. Schnell würde ich leben und intensiv lodernd und dann leuchtend verglühen. Mit vierzig, da war ich mir sicher, wäre ich sicher schon tot.

Heute begnüge ich mich damit, Parallelen zu einem Teelicht zu ziehen, dessen flüssiges Wachs lange in seinem unprätentösen Behälter schwimmt, derweil der Docht flackernd glimmt. Mitten im Wald sehe ich schon die Lichtung, den Horizont, und ich bin froh, das es noch eine Strecke dorthin sein mag, auf meinem Weg.

Aber ich ahne bereits, dass ich in zwanzig, dreißig Jahren vielleicht mit Gleichmut zurückschauen werde, nicht hadernd ob der genommenen Abzweigungen, hoffentlich, aber auch nicht mehr neugierig auf die vielen anderen, übrig gebliebenen. Vielmehr kann es sein, dass ich einem ganz anderen Licht entgegen sehe. Einer Erfahrung, die ich noch nicht kenne, und die mich nach den Erkenntnissen, Leiden und Freuden im Diesseits mit Unbekanntem zu locken vermag.

Ich ahne. Aber bis dahin kann es und darf es, von mir und meinem Heute aus, ruhig noch eine lange Wanderung sein.

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