Osama hey sama bama sama hey

Sechs Uhr, kaum fünf Stunden geschlafen. Normalerweise würde mich der Radiowecker mit seiner Schlafstimme im Nachrichtentakt noch ein halbes Stündchen im Schlummer wiegen. Doch nicht heute. Osama is dead. Bin Laden vom Us-Geheimdienst erlegt. Obama bringt die Nachricht vom toten Osama. Ein Buchstabe zwei Welten. Oder doch nur die eine?

Was Bush nicht gelang – Obama hat es vollbracht. Nun blasen die Weltenjäger das Halali. Und die Hatz ist vorüber. So oder so. Entweder Bin Laden ist wirklich tot. Das impliziert die von Verschwörungstheorien unbeleckte Standardansicht, dass sich der Millionärssohn vom Paulus zum Saulus gewandelt hatte und nach seinem kräftigen Biss in die Hand, die ihn doch nährte, nun das wohl bzw. eher übel verdiente Ende erlitten habe.

Oder er ist nun endlich definitiv totgesagt. Und kann ab sofort die nur lippenflächlich verdammten Genüsse des Okzidents genießen, vielleicht in Nachbarschaft zu seinen amerikanischen Freunden. So ungefähr werden es wohl die Weltverschwörungsanbeter sehen. Und glauben.

So oder so. Osama ist mit dem heutigen Tag von der News-Oberfläche getilgt. Zehn Jahre lang hat er uns in Atem gehalten. War im lahmsten Medientief immer für einen inspirierend gruseligen Ticker gut. „Bist du jetzt brav, Kind? Sonst holt dich Osama!“ Ins Ausbildungscamp, im Zweifel. Und nun? Wo bleiben die atemberaubenden Nachrichten? Ach, macht nichts, wir haben ja William und Kate und Gaddafi. Und Obama. Für ihn werden sich die Wiederwahlprognosen schlagartig, ehm – eigentlich eher schussartig, gebessert haben. Seinen Patriotismus hat er nun unter Beweis gestellt. Und noch dazu ohne den Verlust eines der wertwollen „very intelligent and corageous boys“. Yes, he is one of us. Und das im globalen Sinne. Er hat die Welt gerettet. Im Alleingang, sozusagen. Vor den TV-Kameras, zumindest. Aber auch eigentlich. Denn die Handlanger vor der Villa in der pakistanischen Einsamkeit waren nur sein verlängerter Arm. Ja, er hat uns gerettet. Super, man.

Und wir dürfen jubeln. Glauben. Spekulieren. Ob die Welt damit ein bisschen friedlicher wird, ab heute? Ach, Leute…………………. Haben sich die Zeiten wirklich geändert, oder wisst ihr nur nicht mehr, wie das war, mit den siebenköpfigen Drachen?

Ob lebendig oder tot. Ich wünsche Osama Bin Laden Frieden. Und Ruhe. Und ich  hoffe, dass ich mich mit diesem christlichen Wunsch nicht ins Visier unverbesserlicher Terrorfahnder schreibe.  Ob tot oder lebendig. Der Schatten angstbesetzter Zweifel wird sich hartnäckig halten, über dem Westen. Im Gegenteil, er wird vielleicht noch nachdunkeln, angesichts des aktuellen Geschehens im nahen und ferneren Osten. Der Graben wird sich vertiefen, nicht schließen. Die politischen Erdbeben spalten nachhaltig. Und ich fürchte, mit Drachentötern werden wir auf lange Sicht nicht weit kommen. Schlangenbeschwörer wären viel nützlicher. Auf beiden Seiten. Das wäre vielleicht wirklich ein Weg Richtung Paradies…..

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3 Kommentare zu “Osama hey sama bama sama hey

  1. Jackie sagt:

    Amen!
    Ich kann (wiedermal) nichts hinzufügen und unterschreibe so.
    Ich frage mich auch ständig und immer wieder, warum der Mensch denkt, SO (also mit seinem Handeln) Frieden ernten/stiften/erkämpfen zu können?!

    Ich weiß es nicht und ich werde es wohl auch nie herausfinden…

    Liebe und nachdenkliche Grüße,
    Jackie

    • mariebastide sagt:

      Grade habe ich im Fernsehen O-Töne aus NY gesehen. Unglaublich. Da sagt einer „Uns geht es um Rache! Der Verbrecher hätte mehr als so einen leichten Tod verdient“. Christliches Abendland 🙂 Hier wird Völkerrecht gebrochen. Und schon heute wird in den Nachrichten ganz offen gesagt, dass Obama diese einsame Entscheidung nicht etwa aus irgendwelchen sicherheitspolitischen Überlegungen heraus getroffen hat, sondern um seinen Wahlsieg zu sichern. In Puncto Sicherheit geht jetzt u.U. die Post ab….. fürchte ich…

      Ganz liebe Grüße zurück!

  2. mariebastide sagt:

    Nachtrag. Mit welchem Recht dringen Soldaten in fremde Länder und töten Menschen? In Pakistan. In Libyen. In Afrika und Arabien. In wessen Namen? Im Namen der „Freiheit“? Freiheit zu sterben. Freiheit zu töten. In Namen der Gerechtigkeit? Des Rechts? Töten ist unrecht. Menschen auszulöschen, die selbst getötet haben, ist deshalb nicht weniger verwerflich. Wer Wind sät wird Sturm ernten. Und aus Krieg ist noch nie Frieden geworden, in der Geschichte der Menschheit. Unter dem quotenhechelnden Mediengejubel fallen die letzten Grundsätze der Aufklärung, und wir geben uns dem globalen Mittelalter anheim. Endlich vereint auf dem niedrigsten Level sozialen Miteinanders.

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