Beste Freundinnen

Ein Vorwurf hat mich von Kindheit an begleitet. „Du bist irgendwie anders. Nicht wie andere Mädchen. Teenager. Frauen. Du hast keine beste Freundin.“ Und ja. Es stimmt. Ich hatte so was nie…..nötig, vielleicht.

Während andere Mütter sich täglich am Sandkastenrand trafen – dem waren zweistündige Vorbereitungsorgien zwischen Kleiderschrank und Schminkspiegel vorausgegangen, ihrem Aussehen nach zu urteilen – und sich auf Krabbeldecken an Zigaretten, „Latte“ und Klatschgeschichten labten, hockte ich abseits unterm Baum und schrieb. Oder ich las. Während andere „Mädels“ sich nach der Arbeit zum gemeinsamen Schwitzen ins Workout-Studio oder auf die Joggingpiste begaben, fuhr ich – im Auto, nicht mit dem Rad! – nach Hause. Und las. Oder schrieb.

Während sich andere Frauen am Elternstammtisch trafen, den sie als willkommene Gelegenheit zu vorherigen gemeinsamen Shopping-Exzessen in einschlägigen Outlet-Stores oder Fußgängerpassagen nutzten, schrieb ich meinem Sohn den einen oder anderen Schulaufsatz. Oder ich las seine Kinderbücher.

Seit einiger Zeit habe ich mich geändert. Streckenweise. Ich habe eine Freundin, mit der ich tanzen gehe, zuweilen. Und eine, mit der ich liebend gern neue Geschäftsideen entwerfe. Und in die Tat umsetze (www.mord-a-la-carte.de !!!!). Ja. Wahrscheinlich entdecke ich auf meine ansatzgrauen Tage doch noch meine Weiblichkeit. Und erkenne den Wert von BESTEN FREUNDINNEN.

Die beiden wichtigsten möchte ich euch nicht nur vorstellen, sondern ans Schneckenherz legen!

1. Die Kosmetikerin

Du kennst das. Vielleicht hast du dir am Vorabend ausnahmsweise eine Frauenzeitschrift gekauft. Nein, mal nicht die EMMA. Sondern so eine mit den neuesten Frühlingstrends für deinen ganz individuellen Style. In zigtausender Auflage. Aber egal. Das ist ok. Die Schneeglöckchen sprießen, die Liebespaare vermehren sich, und du? Ein neuer Look muss her. Jetzt sitzt du am Frühstückstisch, vor dir ein Espresso schwarz und Toastbrot an Orange ohne Butter. Und blätterst. Schöne Sachen! Süße Stoffe. Tolles Make-Up. Ein höheres Lebensalter birgt den Vorteil eines gut gefüllten Kleiderfundus. Du brauchst gar nicht viel, um „Up-to-date“ zu sein. Ein paar Farbtupfer. Zwei, drei originelle Accessoires wirst du dir kaufen. Am allerliebsten gleich. Beschwingt gehst du ins Bad.

Leider gelingt es dir nicht, dein Spiegelbild zu ignorieren. Dicke Augenränder. Ja, ja, die abendliche Bindegewebsmassage mit der faltenreduzierenden Augencreme hast du wann zuletzt gemacht? Und hier am Mundwinkel: der tiefe Riss. Blasse Haut mit großen Poren. Zu guter, ach was, böser Letzt betrachtest du interessiert den Fortschritt deiner Nasolabialfalte. Du beginnst, dich auszuziehen. Vorbei die Zeiten, als du deine Mutter wegen ihrer Nivea-Lotion belächelt hast. Inzwischen beherbergt dein Badezimmerschrank ein wahres Arsenal an Cremes und Bodygels. Mit Mandel- Rosen- oder Kaffeebohnen-Duft. Von den hornhautreduzierenden Fußschaum-Präparaten ganz zu schweigen. Vor zehn Jahren hättest du noch nicht gewusst, dass Hämorrhidensalbe gut gegen Augenfalten ist – vorausgesetzt, sie adstringiert (der Blick des Apothekers ist mit Gold nicht aufzuwiegen, köstlich, Mädels!). Ebenso unbekannt war dir die Tatsache, dass Haarentfernungscreme auch bei regelmäßiger Anwendung den Barthaarwuchs an Kinn und Oberlippe nicht wesentlich intensiviert (ihr glaubt gar nicht, wie viele Foren es zu diesem Thema gibt. Und Tipps erst. Vaniqua soll so eine Wundersalbe sein.). Leider auch nicht verringert, allerdings…..

Ach ja, alles Reifezeugnisse. Dann gibst du dir den Rest. Ziehst Slip und Unterhemdchen aus (mit eingearbeitetem BH – auch das hattest du früher nie und nimmer nötig. Weder Hemd noch Busenstütze). Und beschaust dein weißes, weiches Fleisch. Du bist nicht dick. Aber auch nicht  – mehr – wirklich straff. Trotz Walking, Schwimmen und gelegentlicher Gymnastik. „Warum haben Männer keine Cellulite? Na? Weils Scheiße aussieht.“ Blöder Echtzeitwitz.

Da schaust du also an dir runter und du weißt: es ist Zeit, dir eine neue Freundin zu suchen. Eine, die du viel zu lange viel zu weit links liegen gelassen hast. Deine Kosmetikerin. Lad sie zum Essen ein. Geh mit ihr Golfspielen. Und dann – frag sie um Rat.

Bitte und bettele, bis sie dir eine, oder zwei, vielleicht auch drei, ihrer Restilane-Spritzen unter deine Falten schiebt. Dir liebevoll geübt die Hornhaut von den Fersen schabt. Die Rillen in den Fingernägeln glättet. Und dir mit Tipps und Tricks zur Seite steht. Nein, du willst das Rad des Lebens nicht gegen den Uhrzeigersinn drehen. Aber wenns ein bisschen mehr im Schneckentempo ginge, äußerlich, dann wärst du schon zufrieden.

Es ist ja gar nicht wahr, dass du nicht reif geworden bist. Ok, naja, zumindest reifer. Innerlich. So vom Denken her. Und auch vom Handeln. Meistens. Reifer. Weiser. Aber deshalb nicht älter! Du willst nur außen so aussehen wie du dich innen fühlst.

Sagt es mir, meine Freundinnen und Freunde, meine plus und minus Fifties. Ist das wirklich allerhand zu viel verlangt?

…. Und morgen geh ich gleich zu Freundin Nummer 2.

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6 Kommentare zu “Beste Freundinnen

  1. Jackie sagt:

    Sie ist wieder da 🙂

    Man man, hab Sie richtig vermisst!!

    Nich wieder weglaufen, ok!

    Liebe Grüße und ich bleib Ihnen treu 😉

    Jackie

  2. mariebastide sagt:

    Sorry. Ich war noch gar nicht fertig. Also zur Tagespolitik soll ich mich äußern? Zu Guttenberg, meinen Sie wohl? Gute Idee. Wird gleich erledigt. Ebenfalls mfG

  3. derjournalist sagt:

    Da sind Sie ja wieder. Offenbar gealtert aber nicht weise geworden. Was machen Sie im wirklichen Leben? Eine Kolumne in der Frau im Spiegel? Ehrlich gesagt, hatte ich gerade begonnen, mir von Ihnen etwas mehr zu erwarten. Äußern Sie sich doch mal zur Tagespolitik anstatt zu Hämorrhoidensalben (die Sie dann auch noch falsch schreiben!) Mfg

  4. Mariannemüller sagt:

    Hach – ich hatte schon gedacht, Ihnen sei was zugestoßen. Wieso sind Sie denn so lange so still gewesen? Und was ist jetzt mit der Schneckenhaut? Ich finde ja Ihre Gedanken über die Freundinnen auch ganz interessant. Ich bin wohl auch ungefähr in jenem Alter. Aber wann geht es weiter mit dem Roman? Viele Grüße schickt Marianne

    • mariebastide sagt:

      Hallo Marianne, hm ja hab auch schon n mega schlechtes Gewissen ehrlich! Aber ich war beruflich unterwegs – daher die Zugerlebnisse – und das auch noch OHNE Surfstick. Und dann war ich krank. Und jetzt haben sich mir die Freundinnen einfach so aufgedrängt. Ismanso. Kamman nix machen….! Freut mich, dass Sie reingeschaut haben. Bleiben Sie mir doch bitte gewogen 🙂 GGLG!

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