SMS-Adventskrimi. 21. Dezember: Ausgebremst.

„So, Onkel Franz, jetzt steig ein. Du wirst seh’n, das Hotel wird dir gut gefallen. Lauter nette Leute in deinem Alter..“ „Ich weiß nicht, Kai. Das ist sehr nett von dir, dass du dich so für mich engagierst. Aber ich bin doch nur etwas geschwächt durch die Grippe. Ich kann das Haus nicht so lange allein lassen…“ „Mach dir keine Sorgen, Onkel Franz. Ich kümmere mich um alles. Glaub mir. Für dich mach ich das gerne. So, Achtung, anschnallen! Ich steig auch gleich ein, muss nur noch kurz telefonieren.“

„Hallo? Professor Linke? Hier Falkenberg. Ich komme jetzt mit meinem Onkel. Ist völlig durcheinander, der Ärmste. Glaubt, Ihre Klinik sei ein Hotel. Vorsicht, in dem Zustand ist er gewalttätig. Aber Sie haben ja genug Haldol…. hahaha.  Nein, nein, ich hab die Betreuung schon beantragt. Die Bezahlung regele ich, sobald ich die Vollmachten habe…“ „So, Onkelchen. Ab in die neue Heimat.“

„Wie – neue Heimat? Kai? Was hast du vor?“ „Nichts, nichts, Onkel. Hab nur laut gedacht.“ „Kai? ….. Ach Kai, entschuldige, ich bin so durcheinander. Ich glaube, ich habe aus Versehen die Wertpapiere mitgenommen. Die können auch hierbleiben. Nimm sie doch bitte an dich. Sie liegen im Koffer…“

Behend springt Kai aus dem auf der abschüssigen Straße geparkten Auto, öffnet den Kofferraum und sucht nach den Papieren. Da löst sich wie von selbst die Handbremse. Kai hat keine Chance.

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10 Kommentare zu “SMS-Adventskrimi. 21. Dezember: Ausgebremst.

  1. mara sagt:

    @ uwe petersen
    ich ahne, wie anstrengend der umgang mit dementen menschen ist, allerdings bemerke ich in dem krimi eine klare fürsprache für den guten onkel (und eine lange nase für den neffen, der seinen onkel unterschätzt). vielleicht wird der onkel ja verurteilt, allerdings nur wegen fahrlässiger tötung und die strafe wird als kaution ausgesetzt oder sogar ganz und gar wegen ansonstiger lebenslanger futer führung 😉 . endlich mal einen krimi, den ich verstehe 😀 . zu dem da unten: wieso kommt die hand erst raus, nachdem alles vorbei ist? vllt lässt die das paket lieber so fallen, dass der hund das paket ins maul nimmt, achja, und das paket ist als dicker ast getarnt, um es vor den verfolgern zu verstecken. die dame mit dem hund findet darin 100 diamanten und kauft sich und ihrem hund ein hundehotel. oder sowas. sorry. schlafmangel. liebe grüße…

    • mariebastide sagt:

      danke mara…. das mit der lebenslangen guten führung ist klasse – und realistisch, weil ewig wird der onkel ja auch nicht mehr leben…… 🙂
      das mit dem paket war so, da waren drogen drin. und der typ, zu dem die hand gehört, hat sich versteckt bis nach der razzia. oder was auch immer das war…. manchmal nehmen die auch eine sehr liebe demente alte dame als botin, hab ich schon gesehen… die welt ist so gemein, da wird vor nix zurückgeschreckt. aber vll ist sie froh um die sozialen kontakte…. glg! schlafgut!!

  2. uwepetersen sagt:

    Altersdemenz ist ein ernst zu nehmendes Problem, das sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Ich bin nicht der Ansicht, dass man dieses Problem vereinfachen und als Thema für seichte Unterhaltung hernehmen sollte. Das weckt bei Lesern bzw. Bloggern ein Gefühl von Leichtigkeit oder gar Lächerlichkeit, und das schadet der Sache nur. Haben Sie einmal näher mit dementen Menschen Kontakt gehabt? Das ist für Angehörige wie für Pflegepersonal eine äußerst anspruchsvolle und kräftezehrende Aufgabe. Etwas mehr Ernst und Recherche wären da angebracht.

  3. winterhexe sagt:

    voll krass!

  4. Susimaus sagt:

    Hallo liebe Mariebastide, ich schaue jeden Tag auf Ihre Seite aber leider haben Sie meine „Reizwörter“ noch nicht genommen. Waren sie zu schwierig? VG aus Frankfurt

  5. FranzK. sagt:

    Also wirklich – ich kann meinen Namensvetter verstehen! Gute Idee, spannend geschrieben. Aber: zu lang für eine SMS! Ich erkenne eine Tendenz zur verbalen Verbreiterung 🙂 !

    • mariebastide sagt:

      Lieber FranzK. („erkenne“ ich da schriftstellerische Parallelen? 🙂 ) Du hast Recht. Aber: in meinem neuen Handy kann ich „automatisch“ mehr schreiben, ich sehe dann oben im Display die Angabe, dass ich bei SMS 3 (z.B.) bin. Ausreden beiseite: ich merke selbst, dass ich mich immer mehr „ausbreite“, verbal, wie du schreibst. Soll der Krimi heute sich wieder auf 140 Zeichen beschränken? Vg Mariebastide

  6. julchen28 sagt:

    Puuh! Kriminell, der Neffe. Aber der Onkel auch. Er war das doch mit der Handbremse oder?

    • mariebastide sagt:

      Ja, er war der Täter. Als Fortsetzung wäre ein „Prozess“ denkbar, in dem der Onkel bewusst einen auf unzurechnungsfähig macht, um der Strafe zu entgehen…. und dann genau in der Klinik von Professor Linke landet….. wäre doch was…!

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