Auf der Mauer, auf der Lauer liegt der neue Prä….si….

Er ist verwirrt. Und ungekämmt. Er bittet um Verzeihung dafür, dass er keine Grundsatzrede halten wird, soeben aus Flieger und Taxi gestiegen. Und tut dann doch genau das. Programmatische Worte. Vertrauen. Einigung. Der Parteien, überoppositionell, diesmal. Er spricht von Zuneigung. Und meint die der Kanzlerin. Oder doch der DDR-Mitbewohnerin? Ich gebe zu, ich hätte zu den 57% gehört, hätte die BILD mich befragt. Ich hätte ihn gewollt. Und nun sitzt er da, self fulfilled aber wirklich profecy? Ein Prophet ist er nicht, oder doch? Dann aber kein Jesaja. Eher ein Jeremia. Aber spricht er im Auftrag des Volkes? Heiner Geißler, die ewig ideale Mephisto-Besetzung jeder Talkshow, bringt es auf den Punkt. Es ist ein gutes Ende, sicherlich. Aber ob alles gut ist, wird sich weisen. Wir haben jedenfalls praktischerweise wieder eine Gelegenheit verstreichen lassen, eine gute Frau ins Schloss Bellevue zu holen. Von der Leyen zum Beispiel hätte eine deutliche Wulff-Parallele aufzuweisen gehabt: den Merkelschen Abschiebebonus. Doch ganz abgesehen vom Parteibuch – soviel Frauenüberhang hätten weder Gabriel noch Fipsi toleriert.

Nun also Joachim Gauck. Was dürfen wir von ihm erwarten? Montagsbußritte quer durchs geeinte Vaterland, vielleicht? Ein Thesenpapier zur Freiheit im Netz, angeschlagen an das Portal der ACTA-Sünder? Dies dürfte aktuell in Deutschland der einzige Raum sein, in dem es noch Freiheitskämpfe auszufechten gibt. Außer in den Küchen der Republik-Restaurants. Aber diese modernen Sklaven fallen qua Pass nicht in die Zuständigkeit eines Bundespräsidenten. Er wird jedenfalls kaum mit Frau und Kleinkind auf Freundeskosten Sylt genießen. Allein altersmäßig steht er darüber. Und wenn er sich stattdessen in Rom zu einem gemeinsamen Abendmahl überreden lässt, von seinem Landsmann Benedikt? Gegenüber den daraus entstehenden weltpolitischen Konsequenzen ist so ein Sylt-Urlaub ein Tornado im Wasserglas. Ganz ehrlich – mit Margot Käßmann wäre das nicht passiert.

Aus tiefem Herzen finde ich sehr spannend, was da grade passiert. Allein vier der Gerüchtenominierten sind evangelische Theologen…….

Weder Benjamin Idriz noch der Dalai Lama wurden gefragt, offensichtlich. Und auch Hape Kerkeling durfte seine Alter Egos im Schrank lassen. Nein. Deutschland braucht Vertrauen. Gefühl und  - wie war das, Herr Gauck? – Zuneigung.

Hm. Bleibt abzuwarten, wie sich christliche Lehre und diplomatisches Parkett verbinden. Wange hinhalten ist da weniger gefragt. Immerhin: einmal Pfarrer, immer Pfarrer. Und als solcher dürfte Gauck jedenfalls nie um eine Rede – oder ihre Wendung – verlegen sein.  Vielleicht wird er ja unser Präsident der Herzen. Diesen Titel hat die junge Republik noch zu vergeben.

Und Bettina Wulff braucht auf die Nähe von Glamour und Dummheit nicht zu verzichten. Bei der prominenten Journalistin stehen Veronica & Co. sicher Schlange,  damit sie ihre Biografien schreibt…… Und ihr Mann gibt sichere Tipps zur optimalen Vermarktung der Selbstbeweihräucherungs-Oeuvres. Wenn das alles nicht genug Geld einbringt für den nächsten Fern-Urlaub, hier noch ein ganz heißer Vorschlag: die neue Staffel von “Ich bin ein Star – holt mich hier raus”, freut sich ganz sicher über gefallene C-Promis aus der Polit-Szene.  Vielleicht gibt Gauck dazu ja seine Absolution….

Schwefelbeeren im Winter

Der Spätwinterabend schichtet Himmel in Lagen auf kahles Geäst. Weißgrau – himbeerrosé – gletscherblau. Streicht mit pünktlichem Strich den Sonnenkopf am Horizont entlang und setzt die Winterwelt in Brand. Zinnoberrot züngelt das Licht an den Ästen. Der Schnee glüht violett und die Luft atmet Schwefel. Doch der Zauber verglimmt und zieht im Erlöschen die Farbe ab von den Bäumen, streift das Leuchten vom Schnee. Kalt und grau legt sich der Wald in die leisweise Nacht.

Himmelsbrut spuckt Wolkenblut

Unter der weißen Fracht verblasst die Welt zum Negativ.

Wolkenblut reißt tausend schwarze Wunden, sickert strömt fließt aus wird fest und überzieht die Abendhaut mit Glitzergrind.

Weiß erstickt den Straßenatem. Wächst auf Bäumen Dächern Zäunen in den Himmel, reicht sich selbst die Hand am Horizont. Drei Affen ist der Wintertag. Blind taub und stumm vor Schnee.